| Weitere News-Mails an GermanistInnen, LiteraturwissenschafterInnen und LiteraturkritikerInnen |
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News-Mail April 2004
Sehr geehrte
Mariella Mehr ist seit anfangs März in Wien in Klausur um ihren neuen Roman „auf die Geleise“ zu bringen. http://www.mariellamehr.com/zafferano.htm
Am 19.4.2004 hat sie ein Interview mit dem ORF (Frau Dr. Michaela Lehner), welches zur Lesung vom 20.04.2004 um 20Uhr im uhudla Salon, Phorus Gasse 7, 1040 Wien ausgestrahlt werden soll. Mariella Mehr liest aus:
Im Sternbild des Wolfes
Vom 6.-9. Mai 2004 nimmt Mariella Mehr an den „Innsbrucker Wochenendgesprächen“ zum Thema „Vergangenheit als erzählte Geschichte“ teil. Ihr Beitrag wird voraussichtlich aus dem Roman „Daskind“ sein.
Informationen über diese Veranstaltung (Moderator: Robert Schindel) finden sie in der Website: http://www.wochenendgespraeche.at/2004/index.html
Mit freundlichen Grüssen und den besten Wünschen für die kommenden Festtage!
H.U.Ellenberger-Mehr
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Sehr geehrte ...
Am 24. März 2004 präsentierte die junge Germanistin Filomena Iacovino ihre Dissertation über das Werk von Mariella Mehr an der Fakultät Lettere e Filosofia der Universität Perugia.
Referentin: Frau Prof. Dr. Ute Treder Co-Referentin: Frau Prof. Dr. Heide Rieder
Die kurze mündliche Prüfung durch ein Gremium von 12 ProfessorInnen der Fakultät verlief äusserst lebhaft und liess keinen Zweifel an der Kompetenz der Kandidatin und der Gründlichkeit und Tiefe der Arbeit, mit der sie sich in das Werk von Mariella Mehr im Verlauf der letzten 3 Jahre eingearbeitet hat.
Die Arbeit wurde mit der maximal möglichen Punktzahl von 110 (summa cum laude) honoriert.
Ich werde mir erlauben, Ihnen diese Arbeit in meinem nächsten News-Mail und natürlich auch in der HomePage http://www.mariellamehr.com näher vorzustellen.
Mit freundlichen Grüssen
H.U.Ellenberger-Mehr
PS: Die E-Mail-Adresse von Frau Iacovino: filomenaiacovino@yahoo.it Das Gedicht der Woche: http://www.mariellamehr.com/g_d_w.htm
Falls Ihnen meine News-Mails lästig sind, klicken Sie auf: No more mails! |
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Sehr geehrte ... Einige der von mir seit einiger Zeit mit News-Mails über Mariella Mehr bedienten GermanistInnen möchten nicht nur über ihre Werke, sondern auch über Ihre „Vita“ etwas hören. Nun ich verstehe, dass nicht alle „steinzeit“ oder „Kinder der Landstrasse“ (autobiografisch) lesen können oder wollen, ohne eine Ahnung zu haben, was sie da erwartet. „Lebenslauf“(„Man spricht vom Leid, aber erst, wenn es uns nicht mehr beherrscht“ . Marguerite Yourcenar in „Alexis“, Hanser 1993) 1947 am 27.12. in Zürich geboren. Kind von Jenischen, Angehörigen des Romavolkes, landläufig Zigeuner genannt. Sofortige Fremdplatzierung durch das sogenannte Hilfswerk „Kinder der Landstrasse“ der Pro Juventute. (Fussnote 1) Die ersten Lebensmonate verbrachte ich in einem Heim für geistig behinderte Säuglinge in Zürich. 1948 - 1949 Städtisches Säuglingsheim Zürich. 1949 - 1952 Kinderheim Wesemlin des „Seraphischen Liebeswerkes“ in Luzern. 1950 - erster Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik in Luzern. Deckelbäder wegen angeblich erbbedingter Renitenz. 1952 - zweiter Aufenthalt in einer anderen psychiatrischen Klinik in Luzern. Erste Elektroschockserie wegen angeblich angeborener Schizophrenie, „moralischem Schwachsinn“ und Sprechunfähigkeit. Vergewaltigung durch den behandelnden Arzt. 1952 - 1956 Pflegeeltern in Altendorf, Kt. Schwyz. Sexueller Missbrauch durch den Pflegevater. Flucht. 1956 4 Monate Aufenthalt in einem Heim für Kinderpsychiatrie. Zweite Elektroschockserie wegen angeblicher Psychopathie und „moralischem Schwachsinn“. Flucht. 1956 - 1958 Kinderheim Hagendorn bei Cham, Kt. Zug. Flucht. 1958 6 Monate Internatsschule Menzingen 1958 Nach Flucht zur Mutter, Anstalt für schwererziehbare Mädchen "zum Guten Hirten“ in Altstätten SG. Auf der Flucht Vergewaltigung. 1959 -1960 Psychiatrisches Beobachtungsheim „Sonnenblick“, Kastanienbaum LU. Dritte Elektroschockserie. Flucht. 1960 - 1961 Mädcheninternat „Maria Opferung“, Zug. Flucht. 1961 - 1962 Dienstmädchen in Les Granges VD. Missbrauch durch den Arbeitgeber. Flucht zur Pro Juventute. 1962 Einweisung in die psychiatrische Klinik Beverin wegen Verleumdung des Arbeitgebers. Keine Erinnerungen, wahrscheinlich weitere Elektroschockkur. Kurzer Aufenthalt in der Mädchenerziehungsanstalt „Waldheim“ SG. Flucht zu einer Bekannten in Zürich, die meine Vormundschaft übernehmen wollte. 1963 Nach Ablehnung des Antrags einige Monate als Dienstmädchen bei Arztfamilie in Martigny VS. Nach psychosomatisch bedingter Lähmung des linken Beines (wegen Erschöpfung. 16-std.- Arbeitstag) Psychiatrische Klinik „Waldhaus“ in Chur wegen Arbeitsscheu, grosse Insulinkur und Elektroschockserie. 1964- 1965 Auf Geheiss der Pro Juventute selbständige Arbeitsuche in Luzern. Da ich zu jung bin finde ich nur Arbeit in einem Lokal für Homosexuelle. Arbeite von 16Uhr – 24Uhr als Junge namens Mario verkleidet, hinter dem Tresen (dem Bierkisten schleppen verdanke ich meinen kapputen Rücken), 08Uhr – 14Uhr mache ich den Hotelfachkurs im „Montana“. Lerne S.M. den späteren Vater meines Sohnes kennen. S.M., Franzose, halb Jude, halb Rom, vier Jahre Dachau, Brückenbauingenieur ohne Berufserlaubnis, 30 Jahre älter als ich. Arbeitet als Nachtportier. 1965 Gemeinsamer Umzug in die Westschweiz. Dienststelle bei Lehrerehepaar. Obwohl ich korrekt angemeldet bin und meine Heimatgemeinde davon Kenntnis hat, werde ich von der Pro Juventute international zur Fahndung ausgeschrieben. Schwangerschaft, um von der Pro Juventute eine Heirat mit S.M. zu erzwingen. (Heiraten macht mündig) 1966 Auf Geheiss der Pro Juventute polizeiliche Festnahme am Arbeitsplatz. Einweisung in die Frauenstrafanstalt Hindelbank, BE. Offizielle Begründung: Sittliche Verwahrlosung und Arbeitsscheu. Inoffizielle Begründung: um „die Gründung einer neuen, degenerierten Vagantensippe“ zu verhindern (Zitat A. Siegfried, Leiter des PJ-Hilfswerks „Kinder der Landstrasse“.) Geburt meines Sohnes. Werde auf die Säuglingsabteilung der Strafanstalt verlegt. 1967 Nach 19 Monaten Gefängnis die Entlassung unter der Bedingung dass ich meinen Sohn zur freien Verfügung an die Pro Juventute übergebe. Andernfalls weiterer Verbleib in der Strafanstalt und Wegnahme des Kindes von Amtes wegen. 1967 - 1974 Fabrikarbeiterin in verschiedenen Betrieben. Arbeitsbedingte Krankheiten. Spitalaufenthalte. Sterilisation ohne mein Wissen. Heirat, um endlich die Vormundschaft loszuwerden. Scheidung. Diverse Selbstmordversuche. Weitere Einweisungen in verschiedene psychiatrische Kliniken. 1973 Gründung der Selbsthilfeorganisation für Jenische, die „Radgenossenschaft der Landstrasse“. Aufdeckung des Pro Juventute-Skandals „Kinder der Landstrasse“ in Zusammenarbeit mit dem „Schweizerischen Beobachter“ (Redaktor Hans Caprez). 1974 Beginn meiner journalistischen, politischen und dokumentarischen Arbeit 1981 Mein erster Roman, „Steinzeit“ erscheint bei Zytglogge. 1983 Lerne meinen Freund und Lebenspartner H.U. Ellenberger kennen, mit dem ich seit 1991 verheiratet bin. 1997 Nach diversen rassistisch motivierten Übergriffen in der Schweiz Umzug nach Italien. 1998 Ich erhalte den Ehrendoktortitel der historisch/philosophischen Fakultät der Universität Basel für meine Arbeit für die Rechte von Minderheiten und Randgruppen. (Fussnote 2) Diesen
„Lebenslauf“ habe ich 1998 aus der Erinnerung geschrieben. Alle Akten, die
dies belegen, befinden sich nach wie vor im Besitze der Täter dieses
Genozids bzw. deren Rechtsnachfolger . Den Opfern wurden Kopien
unvollständiger Teile der angelegten Akten übergeben, damit ihr
Beweisnotstand erhalten bleibt. Mein Anteil liegt im Schweizerischen
Literatur Archiv. Pro Juventute ist eine private Wohlfahrts-Institution für die Jugend. Sie erhielt 1924 vom Staat den Auftrag und die finanzielle Basis, das „Fahrende Volk“, die Zigeuner dadurch auszurotten, dass man den Familien die Kinder wegnahm, sie in Heimen oder bei Pflegefamilien unterbrachte und deren Eltern nach Möglichkeit, bei geringster Renitenz, in psychiatrische Kliniken oder Gefängnisse versenkte. Die Mutter von Mariella Mehr war 1926 eines der ersten von angeblich 619 Kindern, die von der Pro Juventute auf dieser Basis den Eltern entrissen wurden. Mariella Mehrs Sohn Christian war 1967 eines der letzten... Fussnote 2 Anlässlich ihrer Rede vor der Fakultät, stellte sich Mariella Mehr (die total knapp 6 Jahre Volksschulbildung und ein halbes Jahr Gymnasium absolviert hatte) wie folgt vor: Vor ihnen steht eine „verstimmbare, haltlose, geltungsbedürftige und moralisch schwachsinnige Psychopathin mit neurotischen Zügen und einem starken Hang zur Selbstüberschätzung, was ihr Wunsch, Schriftstellerin zu werden, beweist. In Erwägung ihrer hereditären Belastung - die Probandin gehört zur vierten Generation einer degenerierten Vagantenfamilie - kann eine dauernde Einweisung in eine Psychiatrische Klinik nicht ausgeschlossen werden“. (Aus der „Gemeinsame(n) Diagnose der psychiatrischen Klinik Waldhaus Chur, 1974.) Mit freundlichen Grüssen H.U.Ellenberger-Mehr Wenn Ihnen meine Mails lästig sind, klicken Sie auf den Link no more mails, please! oder schreiben Sie mir das. Ich werde Ihre Adresse sofort aus der Liste löschen. Falls Sie es bevorzugen, schriftlich per Post informiert zu werden, schreiben Sie mir dies bitte. |
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Sehr geehrte ... „Angeklagt“, der dritte Band von Mariella Mehrs Gewalt-Trilogie ist ein Monolog der Mörderin und Brandstifterin Kari Selb. Wer ihn gelesen hat möchte ihn auch noch hören oder sehen und hören. Zum Beispiel in einem Kammertheater, mit Brigit Minichmayr in der Hauptrolle? In einem Film mit Henri-Georges Clouzot oder Roman Polanski als Regisseur? Gertrud Pinkus hatte ein fertiges Filmprojekt für „DasKind“. Es scheiterte an der Finanzierung, ebenso wie zwei englische Projekte zur Verfilmung von „Steinzeit“. Warum verführen Mariella Mehrs Texte immer wieder Filmemacher zu Projekten. Es ist die ungebremste Dynamik der Sprache, die entsprechend der ungebremsten Dynamik der Gefühle, der psychischen Gewitter, im Leser eine oft schwer erträgliche Flut von Bildern auslösen, welche der Filmemacher inszenieren und festhalten möchte. Das Wissen: „Wenn es mir gelingt, mit einem Film das zu zeigen, was dieser Text in mir auslöste, dann habe ich einen guten, starken Film gemacht!“ Die Filmbranche müsste man kennen. ProduzentInnen, RegisseurInnen, DrehbuchautorInnen müsste man kennen. Ich bin sicher, dass viele gute Leute aus diesen Kreisen, gute spannende Geschichten suchen. Vielleicht kennen Sie solche Fachleute. Könnten Sie diese auf Mariella Mehr aufmerksam machen, oder mir geeignete Adressen geben? Mit freundlichen Grüssen H.U.Ellenberger-Mehr |
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„Zeus oder Zwillingston“, Roman, 1994, vergriffen, von Mariella Mehr
Ob Deutsch, ob Englisch, ob Franzos, ob reich du bist, ob arbeitslos. Der Erde Schönheit du empfindest, wenn dich zum Leckner auffischindest.
Das
Sehr geehrte ..................
steht zwar im Roman von Mariella Mehr, dessen Titel eigentlich viel treffender „Zeus hienieden“ lauten sollte, ist aber nicht von Mariella Mehr, sondern von Gilbert Tassaux. Nun die Verlegerin wollte es anders. Der Roman ging unter, wie Zeus. Nachdem die ersten 1000 Exemplare innert Monatsfrist verkauft waren hörte die Verlegerin offenbar einen Zwillingston und wandte sich anderem zu. Die restlichen fast 2000 Exemplare verstaubten am Lager und wurden etwa 5 Jahre nach Erscheinen dem Reisswolf zugeführt, bis auf etwa 100 Stück, die wir retten konnten.
Gilbert Tassaux, ein Poet, ein Bergsteiger, Übersetzer, Publizist, ein Verrückter, ein Freund, der sich in seinen wahnhaften Schüben als Zeus sah und dessen Kopf immer wieder „Ruth“ gebar, statt Athene und gar nichts mehr (als seinen Tod), als er sich, in extremis, in der Psychiatrischen von einem Mitgefangenen den Schädel spalten liess.
Ein bis 1994 unerfülltes Orakel der griechischen Mythologie, wonach Zeus seine Unsterblichkeit, deren er seit dem Niedergang seiner Verehrer längst überdrüssig war, verlieren werde, vollzieht sich endlich im zweiten Strang dieser Geschichte.
Wo, bitte, lässt sich Unsterblichkeit, Würde, Göttlichkeit, Menschlichkeit, Geist und Leben und ähnlicher Plunder gründlicher und effizienter verlieren, als in einer psychiatrischen Anstalt der Schweiz, die in der Verwaltung und Entsorgung solchen Plunders, insbesondere wenn er in Gestalt von rassisch, erblich oder sonst wie gesellschaftlich unkonformen, dubiosen Aussenseitern daher kam, seit Jahrzehnten gründliches geleistet hatte?
Damit ist auch der Ort der Handlung des Romans erklärt. Das weitere Personal ist so zahlreich wie skurril. Zentrale Figuren sind zwei Ärzte, die überflüssigerweise veränderte Namen und die Verantwortung für die Vernichtung zahlreicher jenischer (Gipsy, Roma) Familien tragen. Nicht zu vergessen, der Augenmacher Adolf Stauch, der, als Vermittler zur griechischen Mythologie, das Auge der Thetis schuf.
Dieser Roman, also, ist untergegangen. Er wird wieder Auferstehen. Mit Ihrer Hilfe schneller, ohne Ihre Hilfe dauert’s etwas länger.
Wenn Sie ihn lesen möchten, schreiben sie mir. Es gibt noch knapp 100 Stück. Bitte Adresse angeben. Ein Scheck über 30 €/$ ist willkommen, aber nicht Bedingung. Die ersten werden zuerst bedient, wenn’s keine mehr hat, gehen Sie leer aus.
Mit freundlichen Grüssen
H.U.Ellenberger-Mehr (Januar 2004) http://www.mariellamehr.com > Inhalt > Prosa > Zeus > Kritik > Textprobe
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„Wislawa Szymborska (Nobel-Preis 1996) und Mariella Mehr sind die bedeutendsten Lyrikerinnen der Gegenwart!“ sagte Dr. Michaela Lehner vom ORF im Gespräch mit Dr. Helga Mracnikar:
Mariella Mehr, „Im Sternbild des Wolfes“, Gedichte
Ihre Kritik diese Bändchens ist wichtig! Lyrik ist wieder ein Thema! Besonders die Gute...
Hrsg.: Grüne Bildungswerkstatt Minderheiten. 112 S. 21 × 13 cm, broschiert Preis: EURO 14.00 ; CHF 24.80 ;
ISBN: 3-85435-412-6 Reihe: Edition Niemandsland
Es ist Zeit, wieder mal reinzuschauen: http://www.mariellamehr.com
Mit den besten Wünschen für die Festtage und für 2004
H.U.Ellenberger-Mehr Dezember 2003 |
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Ihre Adresse und Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte habe ich aus dem Internet, genauer aus den Websites Ihrer Universität. Ich glaube, dass die Werke von Mariella Mehr für Sie und für Ihre Studentinnen und Studenten eine grosse Bereicherung sein könnten. Eine kompakte Information finden Sie oder Ihre Schüler unter:
http://www.mariellamehr.com/germanisten.htm
Viele weitere Daten: http://www.mariellamehr.com
Mit freundlichen Grüssen
H.U.Ellenberger-Mehr
PS
- Wenn Sie sich durch dieses Mail belästigt fühlen, schreiben Sie mir bitte, damit ich Sie von meiner Adressliste streichen kann. mailto:uli@ntc.it?subject=No more mails, please!
- Wenn Sie oder Ihre Mitarbeiter an weiteren aktuellen Informationen über Mariella Mehr interessiert sind, schreiben Sie mir das bitte auch. mailto:uli@ntc.it?subject=Further information on MM is welcome!
H.U.Ellenberger-Mehr (Mitte Januar 2004) |
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Vor etwas mehr als zweiundzwanzig Jahren erschien Mariella Mehrs erstes Buch. „steinzeit“, Roman, bei Zytglogge, Oberhofen, 1981, ISBN: 3-7296-0125-3 „steinzeit“ war nicht nur ein Bestseller, sondern auch ein Longseller. Leider nur in der Schweiz
Vor kurzem ist „steinzeit“ in ungarischer Übersetzung unter dem Titel "Kökorszak", Roman, bei L'Harmattan Könyvesbolt 2002, Budapest erschienen.
Es gab Anlass zu folgender Kritik:
Zsuzsa Beney über die ungarische Übersetzung von „Steinzeit“ von Mariella Mehr (Kőkorszak. L’Harmattan, Budapest, 2002)Das Buch von Mariella Mehr, das ich ebenso als soziologische Fallstudie bezeichnen kann, ist eine wilde und verbitterte Anklageschrift, in der sie sich und andere bis zur Grenze des Erträglichen mit quälenden Bekenntnissen konfrontiert. Es gehört gleichzeitig zu den am tiefgründigst erlebten und aufgezeichneten Dokumenten des 20. Jahrhunderts. Die Autorin wurde 1947 in der Schweiz als Zigeunerkind geboren. Im Sinne damaliger schweizerischer Gesetzgebung wurde sie nach der Geburt aus dem „asozialen und primitiven Milieu“ mit erzieherischer Absicht von der Mutter weggerissen. Sie verbrachte ihre Kindheit, zusammen mit vielen Schicksalsgenossen ähnlicher Herkunft in Erziehungsanstalten, bei Pflegeeltern und auf psychiatrischen Stationen. Dieses Gesetz zur Überstellung der Kinder von Fahrenden an die staatliche Fürsorge war in der Schweiz - ein, wegen ihrer Demokratie und ihrem Respekt vor den Menschenrechten berühmtes Land - von 1926 bis 1973 gültig. Kein Wunder, dass diese Kinder weder die Wärme von zu Hause, noch die Kraft der vertrauensbildenden Liebe der Mutter und nicht das geringste Verständnis in ihrem Leben verspüren konnten. Viele von ihnen vollendeten ihre Jugend in Besserungsanstalten, psychiatrischen Anstalten oder Gefängnissen. Mariella Mehr wurde von ihrer Mutter weggerissen, wie schon die Mutter von ihrer Mutter und ihr Sohn von ihr. Das Erschütternde am Buch ist aber nicht nur sein Wert als Dokument. Es zeigt eine solche Tiefe des endlosen Leidens im menschlichen Elend, dass ich für die Besprechung kaum Worte finde. Wie soll ich sie beginnen? Was ist es, das den Lesenden so tief erschüttert? Die Authentizität, dadurch die Erkenntnis eines kaum rettbaren und unendlich tragischen Schicksals? Die furchtbare Enttäuschung, die das Ideal eines der kultuviertesten Ländern Europas in unseren Augen zerstört, das uns zweifeln lässt, ob Demokratie in dieser Welt sich überhaupt verwirklichen lässt – nicht einmal, wenn gesunde Traditionen aus der Vergangenheit und gute Absichten in der Gegenwart im Hintegrund stehen? Die Möglichkeit der fürchterlichen Unmenschlichkeit des im Prinzip guten Willens? Der Anachronismus in der Geschichte, der seine Staatsbürger in jahrhundertealte Isolation zwingt, ja sogar in den Wahnsinn - mit dem Vorwurf von Hexerei sie sogar in den Zustand von „Hexen“ jagen kann? Oder ist es die aussergewöhnliche Kraft der Darstellung, durch die das Buch in den Bereich der grössten literarischen Werke erhoben wird? Wir können verschiedene Theorien über den Ursprung und die Entwicklung des literarischen Talents haben, bewundernswert erscheint mir trotzdem in dieser blendend aufrichtigen Autobiographie der Schreibstil, die Perfektion der Technik. Deshalb weiss ich nicht, in erster Linie nach welchen Kriterien ich Ihnen das Werk vorstellen soll. Ebenso wie wir das Werk als Roman oder als Dokument bezeichnen, es – wie schon gesagt - auch als soziologische Fallstudie betrachten können, so gründlich verfasst, dass Soziologen späterer Epochen nicht nur inhaltlich, sondern vom methodischen Standpunkt aus von ihr viel lernen könnten. Wir können es als regionale Soziologie bezeichnen, allenfalls entdecken wir die Kehrseite eines freien, liberalen, wirtschaftlich prosperierenden Landes, das Funktionieren einer der schlimmsten Zwangslaufbahne, die geistig-seelische Unterdrückung, die abgrundtiefe seelenzerstörerische Auswirkung des Rassismus. Und hier schlägt die Soziologie in die metaphysische Bedeutung der Ethik hinüber. Wir lesen von abgrundtiefen Sünden, denen die freie Seele eines Mädchens hilflos durch Gewalt ausgeliefert, ihr Körper und ihr Geist in Krankheit getrieben wird. Die gleichen Sünden richten sich gegen die Zukunft und Freiheit einer gesamten Menschengruppe aus Mangel an menschlichem Respekt.
Wie der Übersetzter des Buches im Vorwort betont, das Buch sei die Geschichte eines Schicksals, möchte ich hinzufügen, dass es sich um ein Drama der Tragik der menschlichen Existenz handelt, wozu wir greifbares in den klassischen griechischen Dramen lesen können. Nicht nur die Lieblosigkeit, Kälte, der totale Mangel an Empathie, nicht nur der totale Bankrott der Pädagogie – in jenem Land, dessen Errungenschaften in Pädagogie und Psychologie unbestritten sind -, sondern die literarisch konsternierende Beschreibung der schicksalhaften Unaushaltbarkeit sind hier zu erfahren. Die Authentizität ist auf der soziologischen und biographischen Ebene perfekt. Ihre wahre Authentizität aber, die erschütternde katharktische Auswirkung hat aber andere Gründe. Mariella Mehr ist in die Tiefen des menschlichen Leidens hinabgestiegen, um ihre Erlebnisse und die darauf folgenden Erinnerungen - mit denen andere kaum konfrontiert werden - uns mitzuteilen, dadurch uns zu ermöglichen, dass wir dieses Leid doch als die Möglichkeit eines Leides unserer eigenen Seele verstehen lernen. Diese Prosa ist so wild und leidenschaftlich, selbstzerfleischend wie wenn sie ein Gedicht wäre, sie spricht mit der lyrischen Poesie, das bedeutet mit den Bildern der Poesie, mit deren Metaphern und Authentizität. Mariella Mehr schreibt nicht nur über die Gründe des Leidens, beschreibt nicht nur die Natur des Leidens, dessen Geschichte, sondern das Leiden selbst an sich, mit den Worten des Unterbewussten, des Verborgenen. Sie spricht mit ihren Worten einer kaum erzählbaren Seelenqual uns an. All ihre Worte ertönen aus der Tiefe des Leidens, oft schreiend, manchmal als kaum hörbare Klage, zur gleichen Zeit unbewusst und artikuliert, ein Ausdruck jenes Seelenzustandes, wie wenn wir über uns sprechen, wir aber tatsächlich nicht mehr wissen, wer wir sind, nur unsere eigenen Schreie hören, wo sich die Grenzen zwischen Ich und dem Anderen, zwischen dem Innen und Aussen und dem Kind und der Mutter verwischt werden. Diese Schrift ist die ganz besondere Stimme einer in bizarre Visionen gezwungenen Seele, die in Bewusstlosigkeit, durch die Unmenschlichkeit der psychiatrischen Behandlungen, in Ermangelung jeglicher Empathie in die zeitlose Ewigkeit der panikartiger Angst gezwungen wird – das Ganze im regellosen Stil des Realismus, Surrealismus und des Expressionismus, das durch die literarischen Fähigkeiten der Autorin doch in einen kohärenten Stil mündet. Literarisch sehen wir gerade darin ihr grösstes Verdienst, damit auch einen authentischen Beweis der Begabung der Autorin: es ist ihr bewusst oder unbewusst gelungen, den schizophrenen (oder in Schizophrenie gezwungene) Seelenzustand zu beschreiben. Dieser Text konkurriert auf jeden Fall mit den bedeutenden Beschreibungen psychiatrischer Leiden des vergangenen Jahrhunderts, angefangen mit Tschechows „Krankenzimmer Nr. 6“, bis zu Sylvia Plaths „Glasglocke“.
Ich denke, es ist nicht allzu wagemutig zu behaupten, dass wir dank der ausserordentlichen Leistung des Übersetzers István Dévény, (der mit viel Liebe und Empathie sich dem Werk nähert), eines der Meisterwerke der letzten 50 Jahre in unseren Händen halten können.
Übersetzt von Tamás Kanyó
Der Text, der im Septemberheft 2003 (Jg. 46) von „Jelenkor“, einer traditionsreichen ungarischen literarischen Zeitschrift erschienen ist, ist der für die Veröffentlichung überarbeitete Vortrag von Zsuzsa Beney, den sie bei der Vorstellung der ungarischen Übersetzung von „Steinzeit“ von Mariella Mehr am 2. Okt. 2002 in der Buchhandlung „Litea“ in Budapest gehalten hat. Zsuzsa Beney (*1930) ist eine Dichterin und Essayistin mit mehreren Einzelbänden und ehem. Dozentin für Literaturwissenschaften.
Diesen Artikel finden Sie auch unter: http://www.mariellamehr.com/Kritik/kritsteinhu.htm Das Original in ungarischer Sprache: http://jelenkor.net/main.php?disp=disp&ID=109
Ich glaube, das kommende Jahr ist ein guter Zeitpunkt für den Anfang einer literaturwissenschaftlichen Bearbeitung des Werks von Mariella Mehr, ganz besonders deshalb, weil sie glücklicherweise noch lebt und noch selber Auskünfte geben kann. Das ist fast ein Wunder, nach einem Leben wie dem ihren.
Ich bin ehrlich überzeugt, dass, wer immer sich darin vertieft, reichlich dafür entschädigt wird.
Ich danke Ihnen für Ihr Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen ein gutes Jahr.
Mit freundlichen Grüssen
H.U.Ellenberger-Mehr (Anfangs Januar 2004) http://www.mariellamehr.com |
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