Zigeuner des Lexikons
von Rajko Djuric
Die Roma in Nachschlagewerken: Ein
Vorschlag zur Korrektur
Roma und Sinti werden in fast allen europäischen
Nachschlagewerken erwähnt. Noch immer lassen sich die meisten Einträge unter
den Begriffen Zigeuner, Gypsy oder Gitanos finden. Viele Angaben sind
veraltet oder ungenau. Dies trifft vor allen auf Informationen über Anzahl,
ethnische Herkunft, Lebensart sowie den Holocaust an den Roma und Sinti zu.
Wichtige Fakten über das literarische Schaffen der Roma werden ungenau
wiedergegeben oder fehlen ganz.
Die Quellen der verschiedenen Einträge über Roma verdienen besondere
Aufmerksamkeit. Oftmals beziehen sie sich auf Werke, die keinen
wissenschaftlichen Wert haben oder offen rassistisch sind. Jedoch sind beim
Vergleich von Lexika aus der Zeit von 1950 bis 1980 mit Lexika, die nach
1980 erschienen sind, bezüglich der Roma wesentliche quantitative und
qualitative Unterschiede festzustellen. Ein Beispiel dafür ist Knaurs
Jugendlexikon aus dem Jahre 1953, in dem folgendes über die Roma zu finden
ist: "Die Zigeuner sind ein Wandervolk indischer Herkunft. Meist hausen sie
gruppenweise in Wohnwagen oder Zelten und ernähren sich von Hausieren,
Betteln und Wahrsagen. Groß ist ihre musikalische Begabung. Auf der ganzen
Welt gibt es etwa 2 Millionen Zigeuner. In Deutschland waren sie zwischen
1933 und 1945 schweren Verfolgungen ausgesetzt." Das Große Handlexikon in
Farbe (Lexikon-Institut des Bertelsmann Lexikon Verlags) aus dem Jahre 1979
schreibt: "Zigeuner, eigener Name Rom, auch Manusch, ein unter allen
Kulturvölkern (außer in Ostasien) verbreitetes Volk mit 1 bis 2 Millionen
Angehörigen. Die Zigeuner stammen von niedrigen Kasten (Dom, Changar),
Musikern und Tänzern in Indien ab. Im 14./15. Jahrhundert wanderten sie über
den Balkan nach Europa ein. Ein Teil von ihnen lebt nomadisch oder
halbseßhaft. Unter dem Nationalsozialismus wurden sie verfolgt." Im
Brockhaus von 1981 wird zuerst die etymologische Herkunft des Wortes
"Zigeuner" und dann die anthropologische und rassische Charakteristika der
Roma/Sinti erklärt. Es wird behauptet, daß es insgesamt 5 bis 6 Millionen
Roma und Sinti gibt. Für Polen werden 800.000 Roma angegeben, was das
Zwanzigfache des wirklichen Wertes ist. Andererseits wird für Rumänien die
Zahl 200.000 genannt, die in Wirklichkeit mit zehn multipliziert werden
kann. Bei den Stammesnamen der Roma und Sinti werden nach wie vor oft Fehler
gemacht. Der Exodus der Roma wird auf den Mongolensturm zurückgeführt, was
nicht der Wahrheit entspricht. Die Zahl der Opfer im Zweiten Weltkrieg wird
auf 250.000 bis 500.000 geschätzt. Einzelne Nachschlagewerke führen ihre
Eintragungen nach 1980 nicht mehr mit der Bezeichnung "Zigeuner" sondern
unter "Roma" oder "Sinti und Roma". Die erste Veränderung dieser Art wurde
in der Enzyklopädie des Jugoslawischen Lexikographischen Instituts in Zagreb
1987 vorgenommen. In den neueren Ausgaben des Brockhaus (z.B. 1993), sowie
in anderen deutschen Nachschlagewerken wird ebenfalls die Bezeichnung "Sinti
und Roma" verwendet. Auch die Quellen wurden geändert, und es wird
vorwiegend auf Grundlage historischer Tatsachen und fundierter Erkenntnisse
über das kulturelle und gesellschaftliche Leben dieses Volkes berichtet.
Dennoch herrscht nach wie vor ein erschreckender Informationsmangel über die
politischen und kulturellen Entwicklungen bei den Roma.
Ein angemessenes Schema für die Vorstellung eines Volkes in einem
Nachschlagewerk dürfte folgendermaßen aussehen:
I. Name
II. Anzahl und geographische Verteilung
III. Sprache
IV. Geschichte
V. Religion
VI. Gesellschaftliches Leben, Sitten und
Gebräuche
VII. Kultur
I. Name
Die Bezeichnung Rom (Plur. Roma, neue standardisierte Form) wird neben
seiner Bedeutung als Volksname auch in der Bedeutung von "Ehegatte" und
"Mensch" gebraucht. Aus dem Namen Rom entwickelte sich eigentlich ein ganzer
Komplex verschiedener Bedeutungen. Neben den Ausdrücken wie Romani chib
(Roma-Sprache), Romano pacape (Roma-Glauben) – ähnliches ist bei allen
anderen Völkern zu finden – prägten der Name Roma und das Adjektiv romano
auch viele andere gesellschaftliche Institutionen und Kulturbereiche,
angefangen mit Hochzeit und Ehe über die Art des Wohnens und der Ernährung
bis zu den Gefühlen, Vorstellungen, z.B. Romani duk (Roma-Trauer), Romani
baxt (Roma-Glück/Schicksal), Romano djit (Roma-Seele), Romani godji
(Roma-Klugheit/Gewitztheit). Diese zahlreichen Momente beschreiben und
bilden eine Welt, die man Romanipe (Romatum, Tradition) nennt. Der Name Roma
hat also Merkmale, die auch Namen einiger anderer uralter Stämme und Völker
besitzen, wie z.B. die Ainu, Dene, Inuit, Juden, Kiova, Zunji usw. Daraus
könnte man schließen, daß die Roma sich ihrer ethnischen und kulturellen
Identität bewußt waren, als sie noch in Nordwestindien lebten. Indische
Forscher sind der Ansicht, daß der Name Roma von Rama stammen könnte, nach
einer der indischen Gottheit (Rama, ist daneben die altindische Bezeichnung
für Menschen, die die "Schönen Künste", Musik und Tanz, ausübten.).
Europäische Forscher versuchen, die Herkunft durch den Namen Dom zu
erklären, wie ein Stamm dravidischer, also nichtarischer Herkunft heißt,
dessen Angehörig zu einer sehr niedrigen Kaste gehörten. Im Wörterbuch des
Sanskrit sowie im Epos Mahabharata und den Erzählungen Visnbu-purana wird
das Volk (der Stamm) Romas, Romakah, Romakash usw. erwähnt. Ferner sind nach
dem Namen dieses Volkes einige Berge und Lokalitäten in Rajasthan wie auch
in anderen Gebieten Indiens benannt.
Diejenigen, die außerhalb ihrer Gemeinschaft stehen, werden Dasa (Sing. Das)
genannt. Der Name Dasa führt uns zurück in Zeiten, in denen die Arier nach
Indien vordrangen und von den Einwohnern den Namen Dasya erhielten (Die
Dasya werden in vielen altindischen mündlichen und schriftlichen Quellen
erwähnt). Roma – Dasa erschien damals als Paar gegensätzlicher ethnischer
und sozialer Orientierung.
Arlija (Roma muslimischen Glaubens), Gurbeta, Gomana, Gopti, Kalderas,
Lovara, Tamara usw. sind Roma-Stämme. Einer dieser Namen, der offensichtlich
indischen Ursprungs ist, ruft besondere Aufmerksamkeit hervor. Es sind die
Tamara, die in vielen indischen Quellen erwähnt werden, unter anderem als
die Gründer Delhis. Dieser Name ist bei den Roma auf dem Balkan erhalten
geblieben, besonders in Makedonien und Serbien. Weitere Gruppen, deren Namen
eine klare indische Herkunft haben, sind die Gomana und Gopti, die bis zum
Zweiten Weltkrieg vorwiegend in Bosnien und Kroatien lebten (Während des
Zweiten Weltkrieges kamen viele im KZ Jasenovac in Kroatien ums Leben).
Die Sinti leben in Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Österreich
und Slowenien. Sinte (Sing. Sinto) war, so wird behauptet, der Name eines
Volkes in der Region Sindh, am unteren Flußlauf des Indus, die sich heute
auf dem Territorium Pakistans befindet. Sindh, ebenfalls in alten indischen
Quellen erwähnt, war ein eigenständiger Staat. (Im 10. Jahrhundert fiel er
unter die Herrschaft der Gasnawiden, eines arabischen Stammes aus
Afghanistan, was wie man annimmt, die Diaspora der Sinti verursachte.) Zu
dieser Gruppe wird noch der kleine Stamm der Mansusa gezählt. Die Forscher
entschieden sich dafür, weil sie eine Ähnlichkeit zwischen dem Dialekt der
Sinti und Manusa feststellten. Doch wie das verfügbare Material zeigt,
nähern sich ihre Dialekte Dank des jahrhundertelangen Lebens auf demselben
geographischen Gebiet einander an. Der Name dieser Gruppe stammt von dem
Wort manus (Mensch). In diesem Fall jedoch genügt es nicht, nur die
sprachliche Herkunft der Bezeichnung zu betrachten, vielmehr ist ihre
religiöse und soziale Herkunft von Bedeutung: Im alten Indien gab es eine
besondere Gruppe von Menschen, deren Pflicht es war, Gerichte vorzubereiten,
die den verstorbenen Verwandten geopfert wurden. Diese Gruppe hieß Manushya
(Menschen), währen der erwähnte Brauch als Pinda bezeichnet wird. Im
Hinblick auf die Sinti ist es ferner notwendig, auf die Bezeichnung Lalera
hinzuweisen (Sing. Lalero). Vereinzelte Historiker und Forscher behandeln
sie als Untergruppe vom Stamm der Sinti. Dies ist jedoch unrichtig, denn
Lolero ist in der Romasprache die Bezeichnung für Sinti aus deutschen
Gebieten. Diese Bezeichnung stammt von dem Romawort lolero (stumm), was
eigentlich die Übersetzung des Namens Nemac (Plur. Nemci) ist, wie "der
Deutsche/die Deutschen" in den slawischen Sprachen genannt werden. Die
dritte, auf der iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und in den
lateinamerikanischen Ländern angesiedelte Gruppe ist die der Kale. Die
Bezeichnung Kale stammt von dem Romawort kalo (schwarz). Dieser Name
bezeichnet jedoch nicht die Hautfarbe, wie man in ersten Augenblick denken
könnte, denn sie unterscheidet sich nicht von jener der Roma und Sinti.
Ungeklärt bleibt die Frage, ob die Kale Nachfahren eines indischen Volkers,
etwa das der Klainga ist – das in vielen indischen Überlieferungen und
Quellen erwähnt wird – oder ob sie ursprünglich aus dem Land Kalisthan in
Indien stammen. Andere Völker haben für Sinti und Roma ihre eigenen
Bezeichnungen: In Afghanistan heißen sie Nuri, im Iran Luri, in europäischen
Ländern Zigeuner (Deutschland), Gypsies (Großbritannien), Gitanos (Spanien).
Unter diesen Fremdbezeichnungen ist der Name "Zigeuner" am weitesten
verbreitet (Als Adsinkani wurden die Roma, Sinti und Kale in der
biographischen Schrift des Heiligen Georg Antonsik erwähnt, die1068 im
Kloster Iviron auf Athos in Griechenland entstand, wir Frank Miklasich
(1813-1891) nachgewiesen hat).
"Zigeuner" ist der Hauptname für Roma und Sinti in Europa, der aufgrund
verschiedener Sprachen und Aussprachen in unterschiedlichen Varianten und
Dubletten auftritt. Zudem besitzt er zahlreiche Konnotationen, in denen sich
negative wie auch positive Vorurteile niederschlagen. Dies hat dazu
beigetragen, daß der Name die Funktion eines Symbols und eine spezifische
semantische Aufladung übernimmt. Zahlreiche Ausdrücke und Vorstellungen
entstanden unter der Einwirkung religiöser, politischer und kultureller
Strömungen von Slangsprachen sowie durch Literatur und Künste. Wie das Wort
Zigeuner zeigt, entsteht so ein richtiges kleines Wörterbuch von Ausdrücken
und Begriffen.
Gypsy im angelsächsischen – und Gitano im hispanischen Sprachraum – bedeutet
"Ägypter".
Diese Namen entstanden unter den Einfluß der mittelalterlichen Literatur, in
der die Roma und Sinti als "Ägypter" erwähnt werden. Erst gegen Ende des 18.
Jahrhunderts dementierten Forscher (J.C.Ch. Rüdiger, S. Vally und H.M.G.
Grellmann) diese Vorstellung, indem sie ihre Herkunft aus Indien nachweisen
konnten.
In Dokumenten, Literatur und Öffentlichkeit wird dieses Volk als Zigeuner,
Gypsies und Gitanos bezeichnet. Dies verdeutlicht die ethnische, soziale und
kulturelle Distanz der Bevölkerungsmehrheiten, die nicht nur über die
Rechte, sondern oft auch über das Leben dieser Minderheit verfügen.
II. Anzahl, geographische Verteilung
Die Roma gehören zu den indoeuropäischen
Völkern und sind mit Ausnahme des ostasiatischen
Raumes in allen Staaten der Erde verbreitet, so auch in allen europäischen
Ländern. Hier bilden sie die größte nationale Minderheit Europas. Etwa 8,5
Millionen Roma verteilen sich wie folgt: Albanien 100.000; Bulgarien 15.000;
Bosnien (vor dem Krieg) 300.000; Bulgarien 800.000; Dänemark 5.000;
Deutschland 130.000; Estland 3.000; Finnland 12.000; Frankreich 600.000;
Griechenland 350.000; Großbritannien 120.00; Italien 100.000; Irland 28.000;
Jugoslawien 450.000; Kroatien 35.000; Lettland 4.000; Litauen 5.000;
Luxemburg 600; Makedonien 350.000; Moldawien 60.000; Niederlande 35.000;
Norwegen 2.5000; Österreich 35.000; Polen 45.000; Portugal 40.000; Rumänien
2.500.000; Slowakei 400.000; Slowenien 15.000; Schweden 20.000; Schweiz
35.000; Spanien 800.000; Türkei 600.000; Tschechische Republik 300.000;
Ukraine 60.000; Ungarn 600.000; Weißrußland 20.000; Zypern 2.000.
Statistische Erhebungen nach ethnischer Zugehörigkeit wurden im Rahmen von
Volks- oder anderen Zählungen nur in den ehemals sozialistischen Ländern
durchgeführt. Sie liegen grundsätzlich weit unterhalb der tatsächlichen Zahl
von Roma, da diese ihre ethnische Zugehörigkeit oft nicht angeben möchten.
Ansonsten handelt es sich bei den Zahlenangaben um offizielle und
inoffizielle Schätzungen staatsangehöriger Roma.
III. Sprache
Das Romanes ist die Sprache der Roma und
Sinti. Es hat seinen Kern in Sanskrit. Nach Grundwortschatz und
grammatikalischem System ist die Sprache der Roma (auch: romani chib) eine
neuindoarabische (also indogermanische) Sprache.
In der Sprache der Roma gibt es acht Fälle. Die Deklination der Substantive
beruht auf zwei Formen: der regelmäßigen (vom sanskritischen Nominativ oder
Akkusativ) und der unregelmäßigen (aus dem sanskritischen Genitiv
abgeleitet). Eine kleinere Anzahl der Substantive endet auf –a, häufiger auf
–o (Maskulinum) oder –i (Femininum). Das Neutrum gibt es nicht mehr. Im
Plural lauten die Endungen –a oder –e. Die Adjektive enden auf –o
(Maskulinum) oder –i (Femininum), im Plural auf –e. Bei der Konjugation gibt
es drei Personen, zwei Numeri und fünf Zeiten (Präsens, Imperfekt, Perfekt,
Plusquamperfekt und Futur). Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts
wurde die romani-chib nur mündlich überliefert. In Sarajewo (Bosnien) wurden
1986 auf einem Symposium erste Konzepte zur Standardisierung dieser Sprache
diskutiert. Der Vierte Weltkongress der Romani Union (1990) beauftragte eine
internationale Arbeitsgruppe von Linguisten, Vorschläge für die
Standardisierung des Alphabets und der Sprache zu unterbreiten. Die Sprache
der Roma kann man an Universitäten in Prag, Njitra und Paris studieren. In
mehreren Ländern sind Lehrmaterialien erarbeitet worden, um das Überleben
der eigenen Sprache auch in den nachfolgenden Generationen unter dem hohen
Assimilierungsdruck der westlichen Kultur zu sichern.
Die Erforschung der Roma-Sprache: Der älteste
bekannte Text wurde im Jahr 1547 veröffentlicht. Er ist zweisprachig in der
Roma-Sprache und in Englisch von Andrew Borde verfaßt. Borde gelang es aber
nicht, die Herkunft der Roma-Sprache zu erklären. Jacob Carl Christoph
Rüdiger schuf die Grundlage für die wissenschaftliche Erforschung der
Herkunft der Roma (Von der Sprache und Herkunft der Zigeuner aus Indien,
Leipzig, 1782). Heinrich Moritz Gottlieb Grellmann ist Autor des Buches "Die
Zigeuner". Ein historischer Versuch über die Lebensart und Verfassung,
Sitten und Schicksale dieses Volkes in Europa, nebst ihrem Ursprunge
(Dessau/ Leipzig, 1783). August Friedrich Pott verfaßte eines der
bedeutendsten Werke über Sprache der Roma, Zigeuner in Europa und Asien
(Halle, 1844/45). Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die "Krönung" der
Romani-Philologie zur neuen Wissenschaft: Franz Miklosich, Professor an der
Wiener Universität, veröffentlichte zwischen 1872 und 1881 etwa zehn Studien
über die Sprache und die Dialekte der Roma. Im Jahre 1926 erschienen zwei
weitere Standardwerke zur Romani-chib. Ralph L. Turner erforschte in "The
position of Romani in the Indo-Arian" die Stellung der Romanes in der
indischen Heimat. John Sempson verdanken wir mit "The Dialect of the Gypsies
of Wales" die Differenzierung der Romani-chib in die Ben- bzw. südöstliche
Gruppe und die Phen- oder europäische Gruppe. Damit unterschied er die
Sprache nach den beiden Grunddialekten, die sich mit der Einwanderung nach
Europa ungefähr seit den 12. Jahrhundert gebildet haben. Die Einteilung hat
bis heute ihre Gültigkeit behalten.
IV. Geschichte
In den bisherigen geschichtlichen Forschungen
wurde nachgewiesen, daß die meisten Roma (Sinti, Kale usw.) Indien in der
Zeit der Eroberungszüge des Mahmud von Ghazni (Afghanistan) verließen. Er
plünderte in 17 Kriegszügen (1000-1027 n. Chr.) Nordindien. Mahmud von
Ghaznis war zu jener Zeit der größte Feldherr des Abbasidenreiches. Die
muslimische Macht, die das Werk der Araber und Araber und Ghaznawiden zu
Ende führte, war die Dynastie der Ghuriden, die ihr Zentrum in Ghur,
nördlich von Kabul, besaßen (Ghazna, die Residenz des Geschlechtes der
Ghaznawiden, 962-1186 n. Chr., lag rund 100 Kilometer südlich von Kabul).
Unter ihrem Führer, den die indische Geschichte als Mahmud von Ghor erwähnt,
schwangen sie sich zu Erben des Ghazni-Reiches in Afghanistan auf und
richteten dann, wie ihre Vorgänger, ihr Interesse auf Indien. Sie besiegten
1186 n. Chr. Die muslimischen Herrscher in Sindh und Lahore und drangen
gegen die indischen Königreiche im Raum von Delhi vor. Mahmud von Ghor
schlug die Rajputen unter Prithiviraja 1192 n. Chr. in der Schlacht von
Tarain. Seitdem geriet Nordindien langfristig unter muslimische
Oberherrschaft. Von diesem Punkt an können wir auf verläßliche Dokumente
zurückgreifen. In vielen Ländern und Regionen fanden Roma einen Platz
innerhalb der bestehenden Wirtschaft. Der Prozeß der Suche und Niederlassung
zog sich über eine Zeitspanne von vielen hundert Jahren hin und setzt sich
bis in unsere Zeit fort. 1348 n. Chr. sind Roma und Sinti in Makedonien und
Serbien bezeugt, 1361 in Dubrovnik, 1378 in Zagreb usw. Von 1417 an sind wir
in der Lage, genügend Belege für den Zug bestimmter Gruppen durch
Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien zu sammeln. Zunächst wurden sie
als Pilger akzeptiert und toleriert. Doch mit Beginn des 16. Jahrhunderts
setzte die staatliche Gesetzgebung sie in verschiedenen Ländern der
härtesten Verfolgung aus. In Rumänien waren sie von 1400 bis 1891 Sklaven.
Seit dem Jahre 1499 waren Roma auch in Spanien in Ungnade gefallen, man
hatte ihnen sogar die Zungen abgeschnitten, die Augen ausgestochen und die
Bewohner zur Jagd auf die Roma aufgehetzt. Dies kündigte man durch das
Läuten der Kirchturmglocken an. In Deutschland wurden in der Periode von
1500 bis 1800 148 Edikte gegen die Roma erlassen. In vielen dieser Edikte
wurden sie für "vogelfrei" erklärt und somit Raub und Totschlag ausgesetzt.
Die Leidensgeschichte der Roma im 17. Und 18. Jahrhundert ist voller
schrecklicher Ereignisse: Erschießungen, Erhängungen und Folter. Im Rahmen
eines "großen Kesseltreibens" wurden die Roma "gehetzt und getötet, wie das
Wild in den Wäldern, mit dem man sie als Gleichstehende erachtete" (Joachim
S. Hohmann, Geschichte der Zigeunerverfolgung in Deutschland, Frankfurt/M.
1988, Campus). So wurde bei der jährlichen Aufzählung der Jagdbeute eines
kleinen rheinischen Fürstentums auch eine Zigeunerin mit ihrem Säugling
erwähnt. Für jeden getöteten Zigeuner wurde eine Kopfprämie von einem
Speziestaler ausgezahlt, und die ländliche Bevölkerung wurde ermuntert,
ebenfalls auf Roma Jagd zu machen. Die verschiedenen Staaten verabschiedeten
ab 1890 eine unübersehbare Zahl restriktiver und kriminalisierender Gesetze
gegen die Roma. Dieser "Zigeunerwahn" führte dazu, daß das "Zigeunerunwesen"
als Begriff in polizeilichen Denkschemata seinen festen Platz erhielt. Ab
Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Begriff "Zigeuner" immer mehr
biologisch-rassistische Konturen an, und die bis dahin gängige
sozial-ethnographische Auffassung verlor an Einfluß. Cesare Lombroso,
1836-1909, Vertreter der umstrittenen Lehre vom "geborenen Verbrecher", hat
in L´uomo delinquente die Roma als "Atavisten und Kriminelle" typologisiert;
während A. Dillman in "Das Zigeunerbuch" (München 1905) schrieb: "Das
fahrende Volk der Zigeuner ist seit dem 15. Jahrhundert, in dem es zum
ersten Mal in Deutschland aufgetreten ist, ein schädlicher Fremdkörper in
der deutschen Kultur geblieben. Alle Versuche, die Zigeuner an die Scholle
zu fesseln und an eine seßhafte Lebensweise zu gewöhnen, sind
fehlgeschlagen. Auch drakonische Strafen konnten sie von ihrer unsteten
Lebensführung und ihrem Hange zu unrechtmäßigem Vermögenserwerb nicht
abbringen. Trotz vielfacher Vermischung sind ihre Abkömmlinge wieder
Zigeuner geworden mit den gleichen Eigenschaften und Lebensgewohnheiten, die
schon ihre Vorfahren besessen hatten". Zwischen 1900 und 1933 sind in
Deutschland etwa 150 Verordnungen gegen "Zigeuner" erlassen worden.
Die Vernichtung der europäischen Roma: Der
Antiziganismus begann nicht erst im Jahre 1933. Seit Jahrhunderten und in
vielen Ländern sind die Roma Opfer restriktiver Maßnahmen gewesen. Die
historischen Fakten zeigen deutlich, daß sich bei den Mehrheitsvölkern seit
dem Mittelalter ein feindseliges Verhältnis gegenüber den Juden wie auch den
Roma manifestiert hatte. Aber die Vernichtung von über 500.000 Roma und
Millionen Juden ist ein in der Geschichte der Menschheit einzigartiges
Verbrechen, das sich nicht zuletzt wegen seiner außergewöhnlichen
Kaltblütigkeit – jeder Gleichsetzung mit anderen Gräueltaten und
Völkermorden entzieht. Einzig und allein aus "Gründen der Rasse" wurden die
Opfer im gesamten europäischen Machtbereich der Nationalsozialisten
ausgegrenzt, entwürdigt, entrechtet, verfolgt und ermordet. Die besonderen
Merkmale dieser Verbrechen sind die ideologische Vorbereitung, die
systematische Organisation, die totale Erfassung, die bürokratische Planung,
die fabrikmäßige Vernichtung. Anthropologen und Psychiater, die den
Rassismus der Nazis theoretisch zu untermauern suchten, wandten sich bald
auch der "Zigeunerfrage" zu. Zur Zentralfigur rassistischer
"Zigeunerforschung" stieg Dr. Dr. Robert Ritter auf, ein Psychiater aus
Tübingen (Am 12. Februar 1935 beantragte Dr. Ritter ein Stipendium, R
73-14005, DFG-Akte Ritter, um erbbiologische Untersuchungen an
"Zigeunerbastarden" zu betreiben. Diese Untersuchungen, so versicherte er,
sollten "für die die Zigeuner betreffenden rassenhygienischen Maßnahmen des
Staates und der Kriminalpolizei von entscheidender Bedeutung" werden).
Ritter wurde zum Direktor der Rassenhygienischen und Erbbiologischen
Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes berufen, die im November 1936 in
Berlin-Dahlem ihre Tätigkeit aufnahm. "In Europa sind regelmäßig nur Juden
und Zigeuner artfremden Blutes" – mit diesem Satz legitimierten Hans Globke
und Wilhelm Struckart in ihrem 1936 veröffentlichten Kommentar zur deutschen
Rassengesetzgebung die Anwendung der ersten nationalsozialistischen
Rassengesetze auf die Roma. Die Ghettoisierung der Roma begann schon im Mai
1936. Um Berlin vor den Olympischen Spielen "zigeunerfrei" zu machen, wies
ihnen die Kriminalpolizei bei Marzahn einen "Rastplatz" zu, den sie nicht
mehr verlassen durften. Auch in anderen Städten sind ab 1936 solche
"Zigeuner-Gemeinschaftslager" angelegt worden, so in Magdeburg am Holzweg,
in Frankfurt/M in der Dieselstraße usw. Verstärkte Deportationen fanden in
die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und später auch nach Mauthausen
statt. Dr. Adolf Würth, ein Rassenforscher, schrieb im August 1938: "Die
Zigeunerfrage ist uns heute in erster Linie eine Rassenfrage. So wie der
nationalsozialistische Staat die Judenfrage gelöst hat, so wird er auch die
Zigeunerfrage grundsätzlich regeln müssen." Zwei Monate danach fand die
Übernahme der NS-"Zigeunerpolizeistelle" in das Reichskriminalpolizeiamt
unter Leitung von SS-Oberführer Arthur Nebe statt. Die Deportation der Juden
und Roma führte Adolf Eichmann im Amt IV durch (Die Gestapo zog das bei den
Deportationen geraubte Vermögen der Roma ein). Himmlers Erlaß zur Bekämpfung
der Zigeunerplage vom 8. Dezember 1938 verschärfte die gegen die Roma
bereits bestehenden Bestimmungen, er ordnete "die Regelung der Zigeunerfrage
aus dem Wesen der Rasse heraus" und die vollständige Erfassung aller Roma
an. Der von Heydrich unterzeichnete Festsetzungserlaß vom 17. Oktober 1939
verfügte, daß kein "Zigeuner" seinen "derzeitigen Aufenthaltsort" verlassen
durfte und am Sitz der Kriminalpolizeistellen und an anderen Orten
"Sammellager für Zigeuner" errichtet werden mußten, soweit sie nicht schon
bestanden. Nach der Konferenz von Heydrich mit SS-Führern zur Deportation
von "sämtlichen Juden der neuen Ostgaue und 30.000 Roma aus dem Reichsgebiet
und der Ostmark als letzte Massenbewegung in das Generalgouvernement" (30.
Januar 1940) befiehlt Himmler am 27. April 1940 die Errichtung eines KZs in
Auschwitz. Er befahl auch die "Umsiedlung" von 2.500 Roma aus den deutschen
Westgebieten in das besetzte Polen. Am 14. September 1942 protokolliert der
Reichsjustizminister: "Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht
Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, daß Juden und Zigeuner schlechthin
vernichtet werden sollen. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der
beste." Himmlers Auschwitz-Erlaß vom 16. Dezember 1942 befiehlt die
Deportation von Roma aus ganz Europa, darunter die letzten 10.000 aus dem
Reichsgebiet, in das KZ Auschwitz-Birkenau ab März 1943. Auflösung des
"Zigeunerlagers" in Auschwitz-Birkenau am 2./3. August 1944. Von den im Juli
noch lebenden Roma werden 3.000 in andere KZs deportiert, die
zurückgebliebenen 2.897 in der Nacht zum 3. August ermordet.
SS-Einsatzgruppenleiter Olendorf bei den Nürnberger
Kriegsverbrecherprozessen zur Vernichtung der Roma hinter der Ostfront: "Es
bestand kein Unterschied zwischen den Zigeunern und Juden, für beide galt
damals der gleiche Befehl."
Versuche der Sammlung, Organisationen: Neben
einer traditionellen, aus Indien stammenden Sozialorganisation besitzen Roma
Verbände und politische Parteien. Einen ersten Versuch zur nationalen
Sammlung gab es bereits 1878. Damals lud Josef Reinhardt einige Roma aus
Italien, Spanien und Rußland in die Nähe von Stuttgart ein, um über die
Bildung einer Organisation zu beraten, die die Interessen der Roma gegenüber
einzelnen Staaten vertreten sollte. Als das jedoch bekannt wurde,
untersagten deutsche Regierungsstellen dieses Treffen und verboten den Roma
die Einberufung ähnlicher Zusammenkünfte. Wenig später, im September 1879,
trafen sich Roma in dem ungarischen Dorf Kisfal, doch die damalige Politik
Österreich-Ungarns ließ auch diesen Versuch zur Sammlung der Roma scheitern.
Im Jahre 1921, nach der russischen Oktoberrevolution, gab es allein in der
im Entstehen begriffenen Sowjetunion 22 Versuche der Gründung von
Roma-Räten, doch letztlich gelang dies erst Ende der zwanziger Jahre. Die
Anfang der dreißiger Jahre in Rumänien aktive Bewegung verfügte über eine
deutlich breitere Basis und ein ausführliches Programm. Aber mit dem
Aufkommen der Faschismus unter General Antonescu wurden sämtliche
Roma-Organisationen verboten. Initiativen gab es auch in vielen anderen
Ländern. Der Vernichtungsfeldzug gegen die Roma durch den
Nationalsozialismus wie auch die unveränderte ablehnende Haltung ihnen
gegenüber seitens der Mehrheit der Bevölkerung nach dem Kriege sollten das
Bewußtsein für längere Zeit unterdrücken. In Ungarn wurde 1958 der Bund der
Roma gegründet, andere europäische Länder folgten nach: Spanien, Finnland,
Schweden, Frankreich, Deutschland. Die Internationale Organisation der Roma
hatte ihren Gründungskongreß im April 1971 in London. Auf ihm wurde zum
ersten Mal des Streben nach "nationaler Einheit" sowie der gemeinsame Kampf
gegen Rassismus und Diskriminierung und für den Fortschritt des Volkes der
Roma formuliert.
Das Lied Djelem, djelem wurde zur Nationalhymne aller Roma erklärt, eine
Fahne wurde entworfen, die Leben und Vergangenheit des gesamten Volkes
symbolisiert: Das obere Feld ist blau, die Farbe des Himmels, das untere
grün, die Farbe des Grases und Symbol des Lebens, in der Mitte befindet sich
ein rotes Rad mit sechzehn Speichen, Symbol der Herkunft und der Lebensweise
der Roma und ihres Exodus seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert. Der
erste Kongreßtag, der 8. April, wurde zum Internationalen Tag der Roma
erklärt. Die Kongreßteilnehmer beschlossen weiter, eine Internationale
Organisation der Roma, die Internationale Romani Union, zu gründen, die
weltweit Roma in internationalen Körperschaften repräsentieren soll und dazu
die Aufgabe erhielt, deren nationale, Menschen- und Bürgerrechte wirksam zu
verteidigen (Der zweite Kongress fand 1978 in Genf statt, der dritte 1981 in
Göttingen, der vierte 1990 in Warschau). Der größte Erfolg der
Internationalen Romani Union ist bisher ihre Anerkennung durch die Vereinten
Nationen. Politische Parteien der Roma existieren in Bulgarien, Makedonien,
Serbien, Rumänien, Ungarn, in der Tschechischen Republik und der Slowakei.
V. Religion
Als die Roma gezwungen waren, Indien zu
verlassen, begannen ihre Glaubensvorstellungen abzubröckeln und machten
Religionen der Völker Platz, denen sie für kürzere oder längere Zeit
unterworfen waren. Häufig war die Frage des Religionswechsels für die Roma
eine Überlebensfrage. Historisch und geographisch gesehen wurden sie zuerst
von der zoroastrischen Lehre beeinflußt, die zur herrschenden Religion des
Iran wurde. Die nächste Religion, durch die Glaubensvorstellungen der Roma
beeinflußt wurden, war das Christentum, danach der Islam. So existieren
heute regional gebunden sowohl muslimische wie christliche Roma. Indessen
finden sich bei den Roma ebenfalls Spuren und Elemente aus verschiedenen
Perioden des indischen religiösen Lebens. So bedeutet
Devel in der Sprache der Roma Gott. Im Gebet nennen sie Gott Baro Devel,
Großer Gott, und Samnalo Devel, Heller Gott (Die altindischen
Literaturquellen bezeugen, daß suvarna eine Bezeichnung für Gansharva war,
ein Gott, der am Himmelsgewölbe stand und die kostbare Soma (den
Fruchtbarkeitstrank) hütete. Mit diesem Namen wurde auch Indra
angesprochen). Shiva, der oberste Gott des Hinduismus, und die Bezeichnung
seiner Waffe, trusul, Dreizack, ist bei den Roma ebenfalls bewahrt (Trusul
bekam jedoch eine neue Bedeutung - Kreuz). Bei einigen Romastämmen ist auch
der Glaube an den Kult von Druga oder Kali, Shivas Frau, erhalten geblieben.
Beng ist in der Romasprache der Name des Teufels (etymologisch leitet sich
dieser Name von vyanga ab, was im Sanskrit schmutzig, häßlich, Kröte
bedeutet). Ein anderes Gebiet des Glaubens sind heilige Wesen, heilige
Stätten und heilige Gegenstände, die von den Roma verehrt und wie Gottheiten
angebetet werden. Ein besonderes Gebiet des Glaubens sind schließlich die
Geister der Verstorbenen, die cohane.
Das Neujahrsfest der Roma: Die Feier des
Roma-Neujahres, Vasilica, hat sich als religiöser Brauch auch bei den Roma
des ehemaligen Jugoslawiens, besonders im Makedonien und Serbien erhalten.
Für diesen Feiertag wird ein Kuchen gebacken, in dem dich eine Silber oder
Goldmünze befindet. Bei der Verteilung dieses Kuchens ist derjenige
Hausgenosse oder Gast, der die Münze erhält, bis zum nächsten Neujahrsfest
der "Glücklichste". Zu diesem Feiertag werden Gänse geschlachtet, nach
ungeraden Zahlen, drei, fünf oder sieben. Nach dem Festmahl wird das neue
Jahr am 15. Januar um Mitternacht begangen. Die Neujahrsnacht heißt phari
rat (Schwere Nacht).
Das Bibi-Fest: Die religiösen Bräuche zur Feier
der Göttin Bibi sind zweifellos indischen Ursprungs. Bei den Roma Serbiens
z. B. übernimmt diese Göttin zentrale Merkmale der indischen Gottheit Durga
und ihrer Emanation Kali (auch "göttliche Mutter" genannt). Die Roma
verehren sie als ihre Beschützerin, besonders der Kinder. Die Heilige Sarah
ist Schutzpatronin der Roma in Frankreich und Spanien. Die Kirche Notre-Dame
in Sainte-Marie de la Mer beherbergt die Statue von Kali-Sara.
VI. Gesellschaftliches Leben, Sitten und
Gebräuche
Auch nach dem Verlassen Indiens sind bei den
Roma (Sinti, Kale usw.) Teile des Kastensystems erhalten geblieben. Das
Kastensystem teilt die Gesellschaft in eine große Zahl von
Abstammungsgruppen, die sich voneinander unterscheiden und zugleich durch
drei Charakteristika miteinander verbunden sind: durch Mitgift bei der
Eheschließung und Kontaktknüpfung, durch die Arbeitsteilung, in der jede
Gruppe gemäß Tradition einen Beruf ausübt, von der die einzelnen
Gruppenmitglieder nur innerhalb gewisser Grenzen abweichen können,
schließlich durch die Hierarchie, die die Gruppen in Über- und
Untergeordnete einstuft. Alle Roma verbindet der Umstand, daß sie ohne
staatliche Organisationsform leben. Das allgemein Verbindende zwischen ihnen
allen findet sich bereits im Begriff Romanipe. Diese Bezeichnung umschließt
wie ein Ring alle Stämme und Untergruppen dieses Volkes. Die
Gesellschaftsstruktur der Roma-Gemeinschaft beruht auf dem
Verwandtschaftssystem, in dem die Großfamilie den wichtigsten Platz einnimmt
(Emile Durkheim bezeichnet die Roma-Gemeinschaft als Typ einer "segmentären
Gesellschaft", die auf der Blutsverwandtschaft beruht). Die Basis der
Gemeinschaft bildet die Satra (eigentlich "Roma-Zelte"), die in der Regel
eine Gemeinschaft von drei Generationen umfaßt. Mehrere Satra bilden ein
Niamo (Geschlecht), mehrer Geschlechter eine sogenannte Vica. Die Vica
entsteht durch Zuheiraten männlicher bzw. weiblicher Familienmitglieder (Bei
den Kale spielt hierbei die Patenschaft eine besondere Rolle). Die Größe
einer Vica ist variabel. Sie kann ein Dutzend bis mehrere hundert Zelte
umfassen. Ihr steht ein Ältester vor, der auf eine bestimmte Zeit oder
lebenslang gewählt wird, in Abhängigkeit von seinem Ansehen, seiner
Autorität und seiner Intelligenz. Der Älteste trägt der Titel Baro Rom, Sero
Rom, Grofo, Kraljo usw. (In einzelnen Stämmen hat auch eine Frau, Phuri daj,
die Leitungsfunktion inne. Die Ältestenrolle verdankt sie dem Glauben, daß
Frauen übernatürliche Kräfte besitzen). Der "Älteste" führt den Vorsitz des
Altenrates, mit dem gemeinsam oder auch allein alle wichtigen, den Stamm
betreffenden Beschlüsse gefaßt werden. Mit dem Kris, einer Art Gericht,
klären Roma auch heute noch Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe. Die
"Richter" werden dafür von Fall zu Fall von den Kontrahenten einvernehmlich
bestimmt. In der Regel sind das drei bis fünf Personen, die sich in der
Vergangenheit durch kluge Urteile einen Namen gemacht haben. Auch Ehen
werden durch das Kris bestätigt. Der Älteste unterscheidet sich von den
anderen durch seine äußeren Merkmale und Symbole. Er darf einen Bart tragen,
hat einen besonders geschmückten Anzug und ein silbernes Zepter (Symbol des
Vorsitzenden bei einer Roma-Gruppe in Rumänien ist ein silberner Becher,
Rupuno tahtaj). In einigen Ländern, z.B. unter dem türkischen Kaiserreich,
wurden die Roma-Ältesten seitens der amtlichen Obrigkeit ernannt. Damals
wurden verschiedene Stände eingeführt, von denen einige bis heute erhalten
sind, wie z.B. Buljubasa, Fürst. Roma und Sinti leben in einer doppelten
Realität. Genauer, ein Zusammenspiel aus einer aus Indien mitgebrachten und
immer noch präsenten Wirklichkeitswahrnehmung und der in den jeweils anderen
Ländern herrschenden Wahrnehmung der Realität, die von ihnen ebenfalls
angenommen wurde.
Die Stellung der Frau: Die Heiratssitten dienen
traditionellerweise dazu, die patriarchalische Gesellschaftsform zu stützen.
Die Frau mußte, wenn möglich noch vor Beginn der Pubertät, verheiratet
werden, denn ihre Jungfräulichkeit sollte die Reinheit der Familie
dokumentieren. Mit der Heirat ging die Verantwortung für die Frau von der
Familie des Brautvaters auf die Familie ihres Mannes über. Die Heirat ist
nicht allein Angelegenheit beider Ehepartner, sondern der beiden Familien,
die mit all der ihnen zu Gebote stehenden Macht dafür sorgen sollen, daß die
Ehe erfolgreich ist und nicht geschieden wird. Dementsprechend ist die
Scheidungsrate noch gering; die Kinder wachsen im Schoß der Familie auf.
Reinheit und Treue der Frau werden hochgehalten. Die Frauen – wie
insbesondere bei den Kalderasch und Lovara – sind den Männern untergeordnet,
aber sie werden dabei nicht ausgebeutet und erniedrigt. In jüngster Zeit
entwickelt sich auch bei den Roma eine "Frauenbewegung". Die populärste
Frauenorganisation existiert zur Zeit in Spanien, also vor allem dort, wo
Ausbildung und Emanzipation der Frauen unter den Roma am weitesten
verbreitet sind.
Wirtschaftsleben: In den ältesten historischen
Quellen werden die Roma als Metallarbeiter und Musiker erwähnt. Dies
Beschäftigungen treffen auf alle Stämme zu. In Dokumenten wird erwähnt, daß
sie Säbel, Schwerte, Messer, Äxte, verschiedene Werkzeuge für den Gebrauch
im Haushalt und der Landwirtschaft herstellten. Auch die Holzbearbeitung ist
eine häufige Tätigkeit der Roma (in einzelnen Ländern formierten sich sogar
speziellere Gruppen, wie Löffelmacher, Spindeldreher, Trogmacher,
Korbflechter usw.). Eine der häufigsten Beschäftigungen ist die Aufzucht und
der Handel mit Pferden (dies ist vor allem eine Beschäftigung des Stammes
Lovari). Darüber hinaus gibt es Tierdresseure (Bären, Affen usw.). Aber auch
Bau- und Textilarbeiten, bis hin zu Arbeiten als Lastenträger, Schuhputzer
und Verkäufer sind verbreitet. Dir traditionellen Berufe und die
romanes-Bezeichnungen der verschiedenen Gruppen sind Belege, durch deren
Analyse man eine gewisse Vorstellung über ihre ehemalige Kastenzugehörigkeit
in Indien erhalten kann. Es scheint, daß sie ehemals der Kshatrya-Kaste
angehörten. Viele dieser traditionellen Tätigkeiten sind im 20. Jahrhundert
veraltet, so daß die Roma begannen, sich als Industriearbeiter zu verdingen,
oder in der Landwirtschaft zu arbeiten.
Sitten und Bräuche: Roma bezeichnen ihre Sitten
und Gebräuche mit dem Wort Puranimata (dieser Ausdruck ist von dem Roma-Wort
purano, alt, abgeleitet). Gemeinsam mit den religiösen erstrecken sich die
sozialen Bräuche von der Geburt bis zum Tod. Unter den sozialen Bräuchen
nehmen die Geburt, die Hochzeit, Todes- und Beerdigungsbräuche einen
zentralen Platz ein. Wichtig ist auch Pativ, eine Feierlichkeit, die aus
Anlaß eines familiären oder gesellschaftlichen Ereignisses oder zu Ehren
eines Gastes veranstaltet wird. Zu den religiösen Bräuchen gehört es zum
Beispiel, als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Gott Kerzen anzuzünden, der
Kirche Geld zu spenden sowie einzelnen in Not zu helfen (In Indien galt der
Grundsatz: "Ich Opfere, also bin ich!"; ein Sinnspruch der Roma lautet: "Wer
nicht imstande ist, genug zu verdienen, um Gott Weihrauch zu kaufen, ist des
Lebens nicht würdig.").
Im Zentrum der Kultur der Roma stehen der Mensch, menschliche Werte,
insbesondere Glück, Liebe und Freiheit. Explizit vertritt diese Kultur die
Überzeugung, daß der Sinn menschlicher Existenz nicht im Haben, sondern im
Sein besteht.
In Übereinstimmung mit ihrer Auffassung von Recht und Moral unterscheiden
die Roma gute von schlechten Verhaltensweisen. Unter die schlechten fallen
Verstöße gegen Tradition und moralische Normen (Ladzavne buca, schändliche
Taten). Mißachtung der religiösen Grundsätze und Vorschriften (Bezehale
buca, Taten, die zur Versündigung führen) und schließlich Verstöße gegen
Normen familiären und sozialen Lebens (Dosale buca, Taten, aus denen Schuld
hervorgeht). Eine Person, die eine "schändliche Handlung" begeht, wird als
"charakterloser Typ" betrachtet, und die Mitglieder der Gemeinschaft
verweigern ihm die Achtung. Eine Person, die die religiösen Normen verletzt,
d.h. eine "sündige Seele" hat, hat sich vor Gott und ihrem eigenen Gewissen
zu verantworten. Aber weil ein "sündiges Wesen" zugleich ein "unreines
Wesen" ist, tritt man mit ihm als potentiellem Auslöser von "Unglück" nur
ungern in Kontakt und lädt ihn nicht zu gemeinsamen Feierlichkeiten ein.
Personen, welche die sozialen Normen, die Normen des Gewohnheitsrechts
verletzen, führt man vor das Stammesgericht, Kris.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden demnach von einer großen Anzahl
Sitten und Regeln normiert. Dieses System von Sitten und Bräuchen ist ein
Spiegelbild des spezifischen Glaubens an die göttliche und natürliche
Ordnung.
VII. Kultur
Die Unterscheidung zwischen rein (uzo) und
unrein (mahrime) ist von herausragender Bedeutung, von ebenso großer
Bedeutung wie die Unterscheidung zwischen Leben und Tod. Glück ist das
Grundparadigma. Die Bewahrung und Steigerung des Lebens ist stark
akzentuiert. Das Leben an sich gilt als höchster Wert. Aufopferung, mit dem
Ziel, andere Werte zu bewahren oder durchzusetzen, ist eine in dieser
Gemeinschaft fast fremde Erscheinung. Freiheit und Liebe sind vorrangige
Werte, gute Laune und Fröhlichkeit charakteristische Zustände. Musik und
Tanz sind die beliebtesten Unterhaltungsarten und nehmen eine herausragende
Stellung sowohl in der Kultur wie auch im sozialen Leben dieses Volkes ein.
Obwohl die Lebensumstände sehr hart sind, gibt es nur wenig Feindseligkeit,
Gewalt und Grausamkeit innerhalb der Gemeinschaft. Die traditionellen Werte
lindern die schweren wirtschaftlichen Umstände und die Ausgrenzung durch
Bevölkerungsmehrheiten. Innerhalb ihrer Gemeinschaft gibt es keine harten
Strafen, Verbrechen sind im Vergleich zu anderen Gemeinschaften eher selten.
Die Roma glauben, daß man die Seele eines Ermordeten erbt, wodurch sich das
Leid des irdischen Lebens vergrößere.
Die Institution des Krieges ist in Geschichte und Kultur dieses Volkes
unbekannt. Ihrerseits Opfer von Krieg und Gewalt, gilt ihnen Krieg als
größtes Verbrechen.
Es existiert ein positives Verhältnis zur Natur. Das Übertreten göttlicher
und somit natürlicher Gebote sowie Roma-Tradition gilt als Sünde und
unterliegt der Kris-Gerichtsbarkeit. Verstöße gegen die Ordnung der Natur
und des Universums hatten eine vielfach größere Bedeutung als die Roma noch
vorwiegend eine nomadische Lebensweise führten.
Literatur: Das Interesse an der Volksliteratur
der Roma trat in Europa zuerst im 16./17. Jahrhundert auf. Mit den
Forschungen um Herkunft der Roma und Sinti wurden gleichzeitig die
Voraussetzungen für das Sammeln von literarischem Material, seine
Klassifizierung und Interpretation geschaffen. Alexandros Georgios Paspati
sammelte so Romageschichten aus dem Gebiet des ehemaligen türkischen Reichs;
Franz Miklosich veröffentlichte die Märchen und Lieder der Zigeuner der
Bukowina, während Heinrich von Wlislocki mehrere Bücher mit Erzählungen und
Gedichten der Roma aus Transsylvanien und Südungarn veröffentlichte. George
Henry Borrow, ein englischer Schriftsteller und Philologe, sammelte das
mündliche Material der spanischen Roma. Die Volksliteratur der Roma wurde
zum größten Teil in unserem Jahrhundert gesammelt. Auch auf diesem Gebiet
spiegelt sich die indische Herkunft und Wanderbewegung dieses Volkes wieder.
Von 73 Haupttypen der Roma-Märchen konnten 55 Typen nach dem Aarnen-Thompson
Katalog auch für Indien und 47 von diesen auch für persisch-iranischen und
türkischen Märchenbereich belegt werden.
Hauptvertreter der Literatur der Roma sind: John Bunyan, 1628-1688 (The Holy
City, Grace Abouding, The Pilgrim´s Progress usw.), Milan Begovic, 1876-1948
(Der Abenteurer vor der Tür, Der Mann Gottes, Das verlachte Herz, Die Quitte
im Koffer, Gespenster im Schloß usw.), Nikolaj Velimirovic, 1880-1950 (er
verfaßte Lyrik, Prosa, Essays und zahlreiche theologisch-philosophische
Betrachtungen.), Velmir Zivojinovic Masuka, 1886-1968 (ein
Shakespeare-Übersetzer in das Serbische, veröffentlichte eine große Anzahl
von Gedichten, Dramen, Literatur- und Bühnenkritiken), Iwan Iwanovic
Rom-Lebedev, 1903-1989 (Hochzeit im Lager, Feurige Pferde, Wir Zigeuner
usw.), Bronislawa Wajs Papusha, 1909-1987 (Papushas Gedichte), Miron Ruda
Paraschivescu, 1911-1971 (Cantice tiganesti, Laude si alte poeme, Bilci la
riureni usw.), Mateo Maximoff, 1917 (Les Ursitory, Les Prix de la Liberté,
La septième fille usw.), Slobodan Berbershi, 1919-1989 (Die Abreise des
Bruders Jakalo, Wie ein Hirsch ohne Fell, Alltag usw.), Menyhért Lakatos,
1926 (Bitterer Rauch usw.), Roland Lee, 1934 (Verdammter Zigeuner usw.),
Dezider Bang, 1939 (Cierni vlas, Rozhovory s nocou, Modra burka usw.), Veijo
Baltazar *1947, (Penar Ocano,
Poemas Indenfensos, Charol, Un Gitano de Ley, Bitacora del Padre usw.),
Mariella Mehr, 1947 (Steinzeit, In diesem Traum schlendert ein roter
Fremdling, Kinder der Landstraße, Zeus usw.), Rajko Djuric, 1947 (Ohne Heim,
ohne Grab, Zigeunerische Elegien, Roma - Eine Reise in die verborgene Welt
der Zigeuner usw.), Josef Holdosi, 1951 (Kanyak), Bari Karoly, 1952
(Gedichte), Jovan Nikolic, 1955 (Der Gast von nirgendwoher, Georgstag,
Körper und Umgebung usw.).
Musik: Die ältesten hinweise auf Roma stehen mit
ihrer Musikalität im Zusammenhang. In iranischen Schriftdokumenten aus dem
3. Jahrhundert wird z.B. von den Luri, indischen Musikanten, gesprochen.
Diese werden auch in einzelnen iranischen historischen und literarischen
Quellen aus dem 5., 9. Und 10. Jahrhundert erwähnt. Als Musikanten, Sänger
und Tänzer werden die Roma in vielen Quellen erwähnt, von
byzantinisch-griechischen bis zu westeuropäischen. Erst im 19. Jahrhundert
begann die wissenschaftliche Erforschung der Musik der Roma (Die
Musikfolklore der Roma wurde in Ungarn und Spanien wesentlich intensiver
gesammelt und analysiert als in den anderen europäischen Ländern).
Ethnomusikologen charakterisieren die Musik der Roma folgendermaßen:
1. Sie weist einen eigenständigen Interpretationsstil auf (gefühlsbetont und
leidenschaftlich),
2. Die Melodien sind auf orientalische weise verziert,
3. Sie besitzt einen ausgeprägten Rhythmus,
4. Benutzt wird die sog. Zigeunertonleiter c-d-es-f-ges-as-h-c, bzw. die
Mollskala, und zwar mit einer erhöhten vierten Stufe des harmonischen Moll.
Bei aller Vielfalt, die die Musik der Roma aufweist, verfügt sie doch über
Grundeigenschaften, die sie von der Musik anderer Völker abheben. In der
Alltags- und Festkultur nehmen Musik und Tanz einen zentralen Platz ein.
Theater: Das Roma-Theater Pralipe wurde Anfang
der siebziger Jahre von dem 1949 geborenen Rahim Burhan in Skopje
(Makedonien) gegründet. Mit den mittlerweile fast 25 Inszenierungen hat sich
das Theater zunehmend professionalisiert. Produktionen wie Mautije, Königin
der Violine nach Motiven aus der Mythologie und Geschichte der Roma König
Ödipus nach Sophokles oder Soske?, Warum?, ein Stück, das den Holocaust
thematisiert, wurde das Theater zu internationalen Festivals eingeladen und
von Nancy bis Berlin gefeiert. Die bis zu ihrem Exodus aus Skopje nicht
subventionierte Bühne fand 1991 in Mülheim an der Ruhr eine neue
künstlerische Heimat.
Bildende Kunst: Berühmte bildende Künstler aus
dem Volk der Roma sind die Maler Antonia Solario, 1495-?, Otto Mueller,
1874-1930, Serge Poliakoff, 1906-1969, Mica Popovic, 1923-1996, Dusan
Jovanovic, 1949, Nikola Dzafo, 1950, Bruno Morelli, 1957. In dem bosnischen
Dorf Bara bildeten Roma eine Künstlergruppe, die sich naiver bildender Kunst
widmete. Zu ihr gehörten die Brüder Ismet, Rifet und Selio Bajramovic.
1
Roma:
Dieser Name hat eine zweifache Bedeutung und wird in diesem Text in diesen
unterschiedlichen Bedeutungen benutzt. Als Oberbegriff bezeichnet er zum
einen die Roma als Volk insgesamt, zum anderen die Roma als spezifische
Gruppe im Unterschied zu der Gruppe der Sinti und zur Gruppe der Kale. Die
Roma als Gruppe leben vorwiegend in Osteuropa, die Sinti in Deutschland,
Österreich, Norditalien, Südfrankreich, Slowenien und Kroatien, die Kale in
Spanien, Portugal und Südamerika.
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2
Devel,
maskulinum (ai deva, maskulinum, Gott). Wie der indische Philosoph S.
Radakrishan (Indian Philosophy) erläutert, ist das Wort "deva" unbestimmt
und ist zur Bezeichnung verschiedener Dinge gebräuchlich. Deva ist jemand,
der dem Menschen etwas gibt. Sonne, Mond und Himmel sind deva, da sie allem
Bestehenden Licht spenden. Ebenso sind auch Vater, Mutter und geistliche
Oberhäupter deva. Selbst der Gast ist deva. Deva bedeutet ürsprünglich
"glänzend" und wurde später auf alles übertragen, was glänzt Sonne, Himmel,
Sterne, Morgenröte, Tag usw.
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Eine
Geschichte der Roma aus
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