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Dieser Text richtet sich nur an GermanistInnen, KomparatistInnen und LiteraturkritikerInnen. Er soll Fachleute dazu anregen, sich Gedanken zu machen, ob Mariella Mehr eine Kandidatin für den Literatur-Nobel-Preis sein könnte.
Er richtet sich ausdrücklich nicht an Banausen, die Mariella empfehlen, diese Seite entfernen zu lassen, weil sie den Eindruck haben, sie sei überheblich und arrogant. Dieser Eindruck ist gemäss Urteilen von GermanistInnen falsch! Die Verantwortung für diese Anregung liegt ausschliesslich beim Webmaster und nicht bei Mariella Mehr! Das Projekt ist gescheitert. Siehe dazu Nachwort 4 |
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| Nachwort
1
In seinem Artikel „Heroische Aufgaben“ in Literaturen, 04, 2004 p.53 schreibt Richard David Precht u.a.:
Heute, so scheint es, steht die Germanistik wieder bei Schiller. Die Angebote zur Zeitgenössischen jüngeren Literatur sind so spärlich, dass es die Suche in den Vorlesungsverzeichnissen kaum lohnt, ein paar überaus lobenswerte Ausnahmen natürlich ausgenommen. Und dabei gibt es doch so viel zu tun. Was für ein hehres Ziel, vielleicht erst mal für einige Jahre auf alle weiteren Atbausanierungen zu verzichten und sich von nun an der nahezu unerforschten Gegenwart zuzuwenden.
Der Selbsthistorisierung der Germanistik durch ihre fahrlässige Missachtung der Gegenwart träte dieser Schritt endlich einmal entgegen. Und ein besserer Ausweg aus der lieb gewonnenen Sinnkrise und jämmerlichen Einflusslosigkeit als die Flucht in „Medien“ und „Kultur“ ist es allemal. Wehe dem, der meint, dass sich das nicht lohnt, weil es heute ohnehin keine Genies mehr gäbe! Kulturpessimismus auf Kosten anderer ist eine gern gepflegte Laune für Menschen, die sich nicht mehr zurechtfinden. Um es geradeheraus zu sagen: Ein grosser Teil deutscher Autoren unter 50 ist gewiss besser als manches lieb gehätschelte Kind der Germanistik es je war. Nur kennen muss man sie eben.
So, das ist jetzt raus. Und bevor das grosse Wehklagen losgeht, warum das alles natürlich wieder mal nicht geht und man ohnehin niemandem vorschreiben soll, was er zu tun habe, breche ich jetzt lieber ab. Nur den Autor des Eingangstextes bin ich noch schuldig: Robert Musil hat’s geschrieben, der, Karl Corino sei Dank, nun besterforschte Autor des 20. Jahrhunderts. Ohne Zweifel eine ungemein verdienstvolle Biografie. Musil selbst freilich war etwas anderes wichtig: die Germanistenpflicht nämlich, „das Interesse nicht auf die Summe und auf das Museum der Werke zu richten, sondern auf die Funktion, das Wirken, das Leben der Bücher“. |
| Nachwort 2 |
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Meine Frau, Mariella Mehr, hat zu dieser Aktion eine zwiespältige Einstellung. Einerseits möchte sie natürlich gerne mehr gelesen werden, andrerseits, verabscheut sie jeden Rummel um ihre Person. Da sie keine Konzessionen an den Zeitgeist oder gar an den Publikumsgeschmack macht möchte sie, ähnlich wie Robert Walser, lieber „verschwinden“, ihre Arbeit in aller Einsamkeit, für sich selbst oder „für die Schublade“ tun, als die Werbetrommel rühren.
Ich bin hier anderer Meinung: Eine Autorin, die über zwanzig Jahre lang ein Werk geschaffen hat, das ausnahmslos von der Kritik als wichtig, sprachlich auf höchstem Niveau, thematisch notwendig und interessant bezeichnet und mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, darf nicht das Opfer der literarischen Schlamperei im heutigen Verlagswesen werden.
Meine Motivation ist der Wunsch, dass die Universitäten nicht den Tod einer Autorin vom Format von Mariella Mehr abwarten bis sie ihre Werke literaturwissenschaftlich bearbeiten. Bei der Kritik ist ein Werk, das älter ist als 4 Wochen (k)alter Kaffee, bei der Literaturwissenschaft dauert’s oft Generationen, bis man ein Lebenswerk zur Kenntnis nimmt. Ich weiss, dass diese zwei Disziplinen ganz verschiedene Funktionen haben. Die Kritik berichtet über „News“, aber die Wissenschaft sollte sich meiner Meinung nach nicht auf Nekrologe beschränken, 20 Jahre sprachlich hochstehende, kontinuierliche literarische Produktion könnten ja auch mal eine Basis sein.
Der heutige Buchmarkt hat sich leider dem „Infotainment“ auf einem Niveau von „CNN“, „CBS“, „RTL“ und „Mediaset“ verschrieben. Gute Autorinnen, die nicht im „Trend“ schreiben, sind völlig hilflos. Diskussionen mit Verlegern in eigener Sache bringen nichts. Gute Kritiken ohne skandalösen Inhalt werden auch nicht mehr gelesen. Dagegen kann nur die Literaturwissenschaft etwas tun. Wenn an den 250 wichtigsten Germanistik-Lehrstühlen dieser Erde, angeregt durch ihre ProfessorInnen, jedes Jahr nur fünf StudentInnen drei Bücher von Mariella Mehr kaufen und lesen würden, hätten sie viel für ihre menschliche und literarische Bildung getan und gleichzeitig eine dramatische Verbesserung der Lebensqualität meiner Frau bewirkt. Ich möchte hier einigen ProfessorInnen, die Mariella Mehr gelesen haben und ihre Beurteilung an ihre StudentInnen und ein weiteres Publikum weitergegeben haben bestens danken! Heidi Thomann-Tewarson, Elisabeth Hamilton, Michele Ricci, Kim Fordham, Lorely French, Susan Tebbutt, Corina Caduff, wird laufend ergänzt... Der Webmaster |
| Nachwort 3 |
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All denen, die sich über den vorliegenden Text süffisant mokieren, seien ein paar Auszüge aus dem Artikel von Prof. Dr. Wolfgang Klein, Uni Osnabrück, in LiLi, Heft 107 (Thema: Nobelpreis) ins Stammbuch geschrieben! ... In diesem Aufsatz will ich drei Fragen diskutieren, nämlich: Was hat Alfred Nobel gewollt? Was haben die Juroren daraus gemacht? Wie hätte man sonst vorgehen sollen? Im Hintergrund aber steht eine vierte, umfassendere Frage, die direkt zu thematisieren aber sinnlos wäre, weil sie zu allgemein ist: Gibt es überhaupt vernünftige Maßstäbe, um literarische Leistungen zu werten? ... Ein neueres ... Testament ist das von Alfred Nobel, das er vor gut hundert Jahren niedergelegt hat. Die drei wesentlichen Punkte dieses Testaments sind (zitiert nach Espmark 1988, S. 10): 1. Der Ertrag des Kapitals soll jährlich »als
Preisbelohnung an diejenigen ... Wie könnte man dem Vermächtnis Nobels Rechnung tragen? Das Problem ist ein doppeltes: Man müßte klare Kriterien dafür entwickeln, was eigentlich der größte Nutzen für die Menschheit ist, und man müßte zweitens Methoden entwickeln, dies für den konkreten Fall - für ein literarisches Werk des Vorjahres, oder gut, auch der vorausliegenden Jahre - zu entscheiden. Das zweite ist schwierig, das erste scheint nahezu unmöglich.Es ist immerhin leichter möglich als eine Entscheidung nach rein ästhetischen Kriterien. Es gibt nämlich sehr wohl Maßstäbe für den Nutzen, die zu leugnen man schon ein sehr großer Heuchler sein muß. Man kann sie durch zwei einfache Fragen umschreiben: Ist ein Werk geeignet, das Leid der vielen zu mindern, und ist es geeignet, die Freude der vielen zu mehren? Dies sind vollkommen andere Maßstäbe als jene, die normalerweise bei der Zuerkennung von Nobelpreisen eine Rolle spielen, und wenn man sie anwendet, muß man folglich zu ganz anderen Einschätzungen kommen. Es schließt zunächst einmal all jene Werke aus, die keine oder eine nur sehr geringe Wirkung haben und von denen man auch nicht annehmen kann, daß sie eine solche Wirkung in der Zukunft zeitigen. Fassen wir es etwas präziser: Ein Werk, das nicht das Leben von mindestens einem Promille *) der Menschheit beeinflußt, sollte ausgeschlossen werden; man kann wirklich nicht sagen, daß es das Leid der vielen mindert oder die Freude der vielen mehrt. Oder gut, von einem Zehntelpromille. Dies heißt im übrigen nicht unbedingt, daß es von einem Zehntelpromille gelesen worden sein muß; aber es sollte Wirkungen auf das Leben von einem Zehntelpromille der Menschen haben. Aber wenn es noch weniger wird, dann kann man nicht mehr gut vom Nutzen für die Menschheit reden. Was aber heißt, das Leid zu mindern und die Freude zu mehren? Das ist allgemein sehr schwer zu sagen. Aber es ist keineswegs so, daß man hier keinerlei Maßstäbe hätte. Ein Leben als Sklave scheint mir schon leidvoll, wie immer man das Leid unter metaphysischen Gesichtspunkten betrachten mag, und wenn ein Werk dazu beiträgt, die Sklaverei abzuschaffen, dann mindert es das Leid vieler. Deshalb wäre Onkel Toms Hütte, vielleicht neben Oliver Twist und Nicholas Nickleby, das würdigste Werk des vergangenen Jahrhunderts gewesen. Beide Autoren waren freilich schon lange tot, als der erste Nobelpreis verliehen wurde; aber man hätte ihn Tschechow geben können, und zwar für Die Insel Sachalin. Es sei dem Leser überlassen, die besten Kandidaten für dieses Jahrhundert zu küren. ... Klar aber ist eines: Es geht in Nobels Vermächtnis um Freud und Leid der Menschen, nicht um das ästhetisch oder wissenschaftlich Bedeutende Das bringt mich zum zweiten Punkt. Was unser aller Reaktion auf Nobels Vermächtnis auszeichnet, ist so etwas wie ein idealistischer Zug. Es soll nicht der schnöde Nutzen für die Menschheit geehrt werden, für die vielen, die leiden und die sich freuen, sondern etwas viel Edleres - das Streben nach künstlerischer Vollendung und nach reiner Erkenntnis. Es ist dies eigentlich die Perversion dessen, was Nobel mit idealisch meinte, und es ist mehr als eigen, daß sich diese Vorstellung zu Ende unseres Jahrhunderts so fraglos durchgesetzt hat. *) Die Roma (Zigeuner), für die Mariella Mehr steht und schreibt, gegen deren Diskriminierung sie kämpft und für deren Emanzipierung sie sich einsetzt, sind 2 Promille der Menschheit! |
| Nachwort 4 |
| Das Projekt ist gescheitert. Wer abseits des Medienrummels seine Arbeit macht, hat keine Chance, schon gar nicht gegen Elfriede Jelinek. Skandale, Lärm, Fratzen und Masken sind der Motor, der den Literaturbetrieb - bis hinauf zum Nobel-Olymp - antreibt. Das Projekt ist gescheitert. Es war naiv. Mariella Mehr wird die Zeit, die es braucht, bis wieder eine Frau "dran" ist und bis die Auswahlkriterien Nobels entpervertiert werden, voraussichtlich nicht überleben. |