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Aus „Widerwelten“ Gedichte 2001 von Mariella Mehr |
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jagte um sich und hin durch den Spiegel den sternscherbenförmig schimmernden Fang.
Inlicht nun sickert aus allen Augen, und Münder begraben sich sanft in die Sumpfwiege zurück.
Dort, wo der Spiegel Jenseits vergaukelt, wird ein Gejagter am Alter der Erde zum Wolf.
Wind schleift die Grabstätte ins Ungefähre. Wind nimmt das Totengewand aus der Zeit. Wind richtet die Nester neu, den sumpfigen Schlick,
den wir als Flusswanderer, aus allen Toden entlassen, ein jeder aufs Neue um Rettung bedacht, in Licht verwoben begehen werden.
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Zum Geleit
Mariella Mehrs Gedichte haben in der zeitgenössischen Literatur kaum ihresgleichen. Ihre Heftigkeit, ja Dramatik evozieren in mir Bilder von nächtlichen Eruptionen eines Vulkans, der, aus seinem Innern bislang verborgene Feuergluten emporschleudernd, die Finsternis dieser Welt zerreisst und erleuchtet, unheimlich und schön, blutende Wunde und faszinierendes Wunder zugleich. So jedenfalls kommt mir diese Poesie vor. Sie benötigt deshalb keine Empfehlung, spricht für sich selbst. Auch zu erklären ist da wohl wenig. Wie denn sollte man eine Dichtung "erklären" können, die gleichsam direkt ältesten Quellen der Poesie, nämlich schamanischen Beschwörungen, zu entspringen scheint? Beschworen wird, insistierend obsessiv, Vergangenes, Vergessenes Verdrängtes. Beschworen werden verstummte Ahnen, die Verfolgten, Gejagten, Getöteten. Ohne sie, ohne dass sie wieder gegenwärtig werden und uns heimsuchen, kann diese Erde, entstellt von Gewalttaten, getränkt mit Blut, niemals zu jener Heimat werden, von der wir trotz allem noch immer zu träumen wagen, für die einige sogar beharrlich arbeiten, so die Dichterin Mariella Mehr. Sie arbeitet mit Worten und starken Bildern, mit einer Sprache, die glaubwürdig und authentisch, somit unverwechselbar ist. Elementarereignisse und grosse Kunst - die Gedichte der "Widerwelten" sind beides in einem.
Kurt Marti, Bern, im März 2001
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