Aus „in diesen traum schlendert ein roter findling“

Gedichte 1983 von Mariella Mehr

jetzt

meine schieferfarbene törin

rollt sich die sonne zur weinbeere

versickert ihr blut im halbauge kalis

 

jetzt meine rollende weinbeertraube

beginnt die dachgleiche unserer sprache

durchstreift sie hungrig das eislaub

der wahrheit (fahrhabe der venus

osterschmuck gekreuzigter schwüre)

 

und ach

schon nagt ein rudel streunender

worte am abendgrauen

nah meinen brüsten geborenes un-licht

brennende trauer

 

(weine weib beere im sichern griff

meiner flügge gewordenen kalkgebirge)

träumt jetzt dein gläserner schenkel

vom eisernen zwilling

deine schilfhand von meiner asterwurzel

 

träumt sich eine nimmer-mehr-flocke

wahwahwahwahnsinns eine nimmer-mehr-flocke

weissen wahns zurück in den kelch

meiner kerkerblume

(geheiligtes pisa meiner zwei herzen)

 

träumen die monde

zum siebenten male

die haut dir zu streifen

vom fleische

 

es reitet das einhorn das rote

mit unserer zeit auf dem rücken

das silberschuppige glied

verloren im siebenten schosse

der erdfrau

 

stampfen die schwarzen trolle

im takt meiner pochenden hirnmasse

die nun ausserhalb meiner lieder

erblüht

 

jetzt

meine schieferfarbene törin

trägt sich die winterrose ein in dir

als zeitwert meine schieferfarbene törin

beginnen die zellplasmen der angst

zu wuchern

 

du meine rollende

graugesteinte

jetzt

meine wisperente

im eislaub

 

1980/8

 

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