|
Aus „Kinder der Landstrasse“ von Mariella Mehr |
||
|
10. Bild |
||
|
monolog von den singenden häuten (für Irmgard) Xenos erneut isoliert. um sie verstreut foltergeräte: elektroschockmaschine, spritzen, tabletten, deckelbadvorrichtung, zwangsjacke und dergl. mehr. in strenger distanz:
INSTITUTION, CLARA REST, MENGA, SCHATTEN DER MUTTER. in grelles licht getaucht bewachen sie das letzte gefängnis der Xenos.
XENOS:
Die unbewältigte Vergangenheit, ein trübes Kapitel der neueren Sozialgeschichte dauert an. Das "Hilfswerk" und seine Folgen, die unglücklichen jenischen Familien und Kinderschicksale sind mit der "Wiedergutmachungsaktion" der Pro Juventute nicht erledigt. Das Jahr 1986 hat eine Eskalation der Gefühle und Missverständ- nisse gebracht, die nur langsam abgebaut werden können. Mariella Mehr versucht, anhand ihrer eigenen Akte, die sie zur Einsichtnahme bekam, ein Einzelschicksal auszuleuchten, das komplexe Thema "Kinder der Landstrasse" am Beispiel ihrer persönlichen Geschichte - die von Marietta, ihrem Sohn Christian und ihrer Mutter - zu orten und zu versachlichen. Im Zentrum das Theaterstück "Akte M. Xenos ill.* 1947 - Akte C. Xenos ill.* 1966", ein gewaltiger Text voll Wut, der die Sache beim Namen nennt. Darum herum und ins Stück hinein baut die Autorin Versatzstücke: die Geschichte des Hilfswerks, beginnend 1907, nicht endend 1987, Aktenausschnitte, Fotos aus Marianne Pletschers TV-Film, den Briefwechsel mit H.U. und den abschliessenden Text von Thomas Huonker "Wahnsinn und Wahrheit". Es entstand eine faszinierende Collage. Die Kunst der Verfluchung.
|
||
|
|