Poetry from Switzerland

Fife Lines No. 6, Autumn 2002, Edited by Tom Hubbard

 

Kein Meer lag uns zu Füssen,

im Gegenteil, wir sind ihm

mit knapper Not entgangen, als

uns – kein Unglück, sagt man, kommt allein –

der stählerne Himmel ans Herz fesselte.

 

Umsonst haben wir an den Schädelstätten

um unsere Mütter geweint,

und tote Kinder mit Mandelblüten bedeckt,

sie zu wärmen im Schlaf, dem langen.

 

In schwarzen Nächten sät man uns aus

um dann in den Morgenstunden,

die Erde von uns Nachgeborenen leerzufegen.

 

Noch im Schlaf such’ ich Dir Wildkraut und Minze;

Fall ab, Auge, sag ich zu Dir,

und dass Du nie in die Gesichter sehen sollst,

wenn ihre Hände zu Stein werden.

 

Darum das Wildkraut, die Minze,

sie liegen dir still auf der Stirn,

wenn die Mäher kommen.

 

Für alle Roma, Sinti und Jenischen,

für alle Jüdinnen und Juden,

Für die Ermordeten von gestern und die von morgen

 

 

No sea lay at our feet,

instead, we’d only just managed

to get away when

- never rains but it pours –

the starry heaven nailed us to its heart.

 

We wept at the place of skulls

for our mothers – without hope.

We strewed almond blossom on dead children

to warm them in their final sleep.

 

They sow us in the blackest night

To sweep the earth clear of us – the future

Generations – when morning comes.

 

Even sleeping I search out wild herbs and mint

For you. Pluck out my eyes, I say

- let us not see into their faces

when their hands turn to stone.

 

Here, the wild herbs, the mint.

Placed on your brow for when

The reapers come.

 

 For all the Romany, the Sinti and the Jenische

for all the Jewesses and Jews

for all the murdered of yesterday and tomorrow

 

 

Translated by Ron Butlin and Regi Claire

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