Kritikauszüge zu Mariella Mehr, "Daskind", Roman

„Bewegend - und bewundernswert - ist die Darstellung innerer Vorgänge,

beispielhaft die Präzision der Sprache und die feine Überlegenheit, welche die

Autorin zu wahren versteht. Sie geht nahe an ihre Figuren heran, redet aus ihrem

Inneren, mit einer bewundernswerten Kraft der Verwandlung und Identifikation;

aber sie wahrt den Überblick und deutet eine Erzählinstanz an, die sich nicht in den

Figuren verliert.“

(Elsbeth Pulver in Neue Zürcher Zeitung)

 

„Namenloses Elend - die Redewendung gewinnt in ‚Daskind‘ mehrfach neuen Sinn:

Namenlos unsäglich ist das Leid der Titelfigur, namenlos unartikuliert bleibt ihre

Sprache, und namenlos entindividualisiert wird sie als Unperson der

Dorfgemeinschaft. In Umkehrung des überlieferten Kaspar-Hauser-Stoffes zeigt

Mariella Mehr nicht, wie eine zivilisierte Gesellschaft ein wildgewordenes

Menschenkind aufnimmt und zu zähmen versucht, sie zeigt, wie eine Gemeinschaft

ein Kind zum Wildwerden verurteilt und ausstößt.“

(Tages-Anzeiger, Zürich)

 

„Mariella Mehr schreibt aus der verstörten Seele des sprachlosen Kindes heraus,

wittert mit ihm die überall lauernde Gefahr, gibt seinen seelischen Verheerungen

Ausdruck in verstellten und amputierten Sätzen. ... Der archaisierende

Sprachduktus braut die dicke Luft beiden Atmosphären erst zusammen: die

instinkthaften Reflexe des Kindes, Furcht, Hass, das katzenhafte Reagieren in der

Gefahr, und dort das dumpfe Kesseltreiben aus Lebensverzweiflung.“

(Süddeutsche Zeitung)

 

„Ein Kunstwerk, eine auf 224 Seiten sich entfaltende „wahre“ Literatur, denn sie ist

aus der Not geboren, denn sie vereint Inhalt und Form als ein kunstvolles Ganzes.“

(NDR)

 

Siehe auch: http://www.versalia.de/rez_detail.php?nr=59

 

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