"Ja, die „Mehr“, die Jenische, die massgeblich an der Aufdeckung des „Pro Juventute-Skandals“ beteiligt war, die alle kannten in den 70er und 80er Jahren. Die, welche den Alt-Bundesrat Friedrich und die amtierenden BR Egli, Cotti und Dreyfuss das Fürchten lehrte. Die, die von der Uni Basel 1998 den Ehrendoktor erhielt für ihren Kampf gegen die Diskriminierung der Jenischen und anderer ausgegrenzter Minderheiten. Die Mehr, deren grosses literarisches Werk und deren politische und gesellschaftskritischen Arbeiten vergessen sind, um sie geht es in diesem Brief und in der Beilage." schrieb ich unter anderem in diesen Briefen und legte das folgende bei:
Mariella Mehr wird Ende dieses Jahres 60
Leider geht es Mariella Mehr nicht gut, physisch nicht und psychisch nicht. Sie ist fast blind geworden, hatte deswegen wieder einen Unfall und musste am Kopf operiert werden. Sie braucht eine Pflege und eine Zuwendung, die ich allein nicht mehr leisten kann. Sie verdient mit ihren Büchern einige hundert Euro pro Jahr. Das kann und darf nicht sein. Sie müsste von ihrer Arbeit in Würde leben können, müsste endlich den Bekanntheitsgrad erlangen, den ihr Werk verdient. Deshalb bitte ich Sie bei einer Aktion mitzumachen, die diese Situation verbessern soll.
- Es werden Beiträge von GermanistInnen zu einer kleinen Festschrift gesucht.
von Ihnen? von eineR Ihrer MitarbeiterInnen/StudentInnen?
- Es wird auf eine Geste der Schweiz gehofft
von Gemeinden, Kantonen, vom Bund?
- Es wird ein Sponsor für ein Fest in der Schweiz gesucht
eine Beiz, ein Restaurant, ein Hotel, ein Tagungszentrum?
Es gibt bereits eine Gruppe von AktivistInnen in der Schweiz und in Italien bestehend aus Medienschaffenden, SchriftstellerInnen, HistorikerInnen, GermanistInnen, die dieses Vorhaben unterstützen. Die Schriftstellerin und Übersetzerin Anna Ruchat (anna.ruchat@iol.it) will die Koordination der Beiträge und die Redaktion der Festschrift übernehmen. Der Verlag EFFIGIE s.a.s Milano (http://www.effigie.com/web/guest/home) will sie gestalten und drucken.
Mehreinnahmen aus Mariellas Büchern könnten uns helfen, entweder mit Hilfspersonal unser Haus hier in der Toscana zu halten, oder in der Schweiz ein geeignetes neues Heim zu finden.
Wäre nicht ein Preis für ihr Gesamtwerk fällig? Können Sie etwas tun? Kennen Sie Menschen oder Institutionen, die eine Schriftstellerin auszeichnen könnten, die ihre ganze schöpferische Kraft für die Unterprivilegierten und in den Kampf gegen die Ideologen und Verwalter der Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft einsetzt?
Können Sie bei Pro Juventute Druck machen? Dieser Institution verdankt deren prominentestes Opfer, Dr. phil. h.c. Mariella Mehr, alle ihre physischen und psychischen Schädigungen. Eine Pro Juventute-Marke mit Mariella Mehr wäre ein ehrenwertes Zeichen von echter Vergangenheitsbewältigung.
Kennen Sie Politiker (Parlamentarier) die beim Schweizerischen Bundesgericht Druck machen könnten, damit es endlich das Urteil und die Begründung (1P.428/1988 vom 1. Februar 1989) publiziert, mit dem das Recht der Pro Juventute-Opfer an ihren Akten negiert wurde. Die formaljuristisch begründete Abschmetterung ihrer Klage gegen die fortdauernde Geheimhaltung eines Teils der Akten der „Aktion Kinder Landstrasse“ bewirkte eine der tiefsten Verletzungen von Mariella Mehr.
Kennen Sie einen Gastronomiebetrieb, der geeignet und interessiert ist, ein Fest für Mariella Mehr zu organisieren?
Ich hoffe, mit Ihrer Hilfe den 60. Geburtstag von Mariella Mehr zu einem Fest zu machen, das ihr Anerkennung und neuen Lebensmut gibt, ihr zeigt, dass sie noch geschätzt und gebraucht wird.
Mit freundlichen Grüssen
H.U.Ellenberger-Mehr